Keine Entspannung an den Grundschulen im Kiez

Von | 13. März 2015

An der beengten Situation in den Grundschulen im und um den Kiez wird sich auch zum neuen Schuljahr nach den Sommerferien nichts ändern. Die Zahl der Neuanmeldungen sei im Saldo ungefähr so hoch, wie beim letzten Mal sagte Schul-Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz gegenüber florakiez. Einige Entlastungsmaßnahmen, wie die zwölf Unterrichts- und sechs Teilungsräume in neuen modularen Fertigelementen neben der Mendel-Grundschule, bringen da nur wenig Entlastung. Ebenso wie eine geplante Erweiterung in gleicher Größenordnung in der Klecks-Grundschule, die wahrscheinlich Ende des Jahres realisiert wird.

Mit Containerlösung kaum noch was zu tun: Modularer Ergänzungsbau an der Mendelschule

Links der modulare Erweiterungsbau, rechts das Hauptgebäude der Mendelschule

Keine Container: Modularer Ergänzungsbau an der Mendelschule

Dem Container-Stadium sichtlich entwachsen

Platz in der Einzugsschule im Florakiez wohl sicher

Immerhin, es gibt auch eine gute Nachricht. Wer im Einzugsgebiet einer Schule im Florakiez (Arnold-Zweig- und Elisabeth-Shaw-Grundschule) wohnt, wird dort wohl auch einen Platz kriegen: „Wir gehen davon aus, dass es dort in diesem Jahr keine sogenannten „Zwangsumlenkungen“ geben wird, dass also Kinder aus einem Einschulungsgebiet in ein anderes geschickt werden müssen“, so Zürn-Kasztantowicz. Das war im Vorjahr anders. Damals wurden Kinder aus dem Einzugsgebiet der Elisabeth-Shaw- an die Mendel-Grundschule umgeleitet. Zu Chancen von Umschulungsanträgen will der Bezirk sich zu diesem Zeitpunkt nicht äußern.

Auch an der Klassengröße kann der Bezirk nicht beliebig drehen, die ist für Erstklässler bei 26 Kindern gedeckelt. Aber die Raumnot wird sich wohl weiter verschärfen. So fällt beispielsweise laut Elternvertretung bei der Arnold-Zweig-Grundschule durch eine neue erste Klasse dieses Schuljahr ein weiterer Hortraum weg.

Keine kurzfristigen Zusatzkapazitäten in Sicht

LuftbildPT

Das Areal für das Projekt Pankower Tor

Wie im Vorjahr verweist die Schulstadträtin auf Verzögerungen beim Pankower Tor: „Schlimm für uns ist, dass die großen Entwicklungsvorhaben, wie zum Beispiel die Bebauung des Geländes am Rangierbahnhof  Pankow nicht voran kommen“, so Zürn-Kasztantowicz. So könne sie auch nicht die zugehörige Schulplanung vorantreiben, die Alt-Pankow deutlich entlasten soll. Zwar seien dort für eine vierzügige Grundschule und eine eben so große Integrierte Sekundarschule die Investitionen schon genehmigt. Baubeginn sei aber frühestens 2019.

Hintergrund ist, dass das neu geplante Viertel am Pankower Tor mit Wohnungen, Einkaufszentrum und Schulen lange zwischen Senat, Bezirk und Investor Krieger umstritten war. Zwar gibt es mittlerweile eine Einigung auf Eckpunkte, die Planung ist aber längst nicht abgeschlossen.

Update (27.03.2015): In einer früheren Version haben wir unter Berufung auf Bezirksstadträtin Zürn-Kasztantowicz geschrieben, es werde in Alt-Pankow wohl keine Zwangsumlenkungen geben. Wir hatten unsere Anfrage für Alt-Pankow gestellt. Zumindest bei der Antwort zu Zwangsumlenkungen hat sich der Bezirk aber nur auf den Florakiez bezogen. In anderen Teilen von Alt-Pankow wird es wohl zu Zwangsumlenkungen kommen.

5 Kommentare zu “Keine Entspannung an den Grundschulen im Kiez

  1. Albert

    Noch eine Ergänzung: Nicht nur Erstklässler füllen die Schulen. Auch zuziehende Eltern schulpflichtiger Kinder werden feststellen, daß die öffentlichen Grundschulen im Einzugsbereich in allen Klassenstufen keine Plätze mehr haben und auf weiter entfernte oder private Schulen verweisen. Auch dies ist ein Indiz dafür, daß man ein Quartier eben nicht durch intensive Bebauung beliebig vergrößern sollte. Was hilft es heute, wenn möglicherweise in 10 Jahren irgendwo in der Nähe ein sog. Entwicklungsvorhaben seine Vollendung erlebt haben wird?

  2. Hendrik Schober

    Ich kenne dieses Debakel aus der Kindergartenzeit einiger meiner Kinder, jetzt aus der Grundschulzeit, und demnächst dann sicherlich auch auf den weiterführenden Schulen. Denn das Bezirksamt ist nicht in der Lage, ein halbes Jahrzehnt in die Zukunft zu planen. Es ist ja allgemein bekannt, dass viele Familien nach Pankow ziehen, und man hätte aus den Problemen bei den Kindergartenplätzen schon vor Jahren extrapolieren können, dass mehr Grundschulplätze gebraucht werden.

    Damit sich diese Entwicklung nicht wiederholt (bzw. nicht unendlich so weitergeht), müsste das Bezirksamt *jetzt* daran arbeiten, dass es genügend Plätze auf weiterführenden Schulen gibt. Ich fürchte allerdings, auch dieses Problem wird man vor sich herschieben, bis es akut ist, und man dann „leider wegen Planungsverzögerungen´“ erst gegen 2025 Abhilfe haben wird. Aber bis dahin war ja wieder eine Wahl, nach welcher dann eventuell andere Stadträte das Zepter in der Hand haben. Warum sollen sich die aktuellen für jetzt für ihre Nachfolger aus dem Fenster lehnen? Und die neuen wiederum können ja jedwede Kritik mit dem Hinweis vom Tisch wischen, dass sie „damals“ noch nicht im Amt waren.

    So geht das schon seit Jahrzehnten im Bezirk, im Land, und beim Bund. Niemand schaut weiter als bis zur nächsten Wahl, und alle Projekte, die längerfristiges Denken erfordern – und die Bildung und Erziehung von Kindern braucht deutlich länger als vier Jahre – bleiben dabei auf der Strecke.

  3. Max Müller

    Darüber könnt ihr Euch mal aufregen:

    über das Pankower Tor wird seit sechs Jahren gelabert, obwohl damit viele Probleme gelöst würden, 500 neue Wohnungen und zwei Schulen würden spendiert.
    Und eine hässliche Brache würde belebt mit einenm neuen Stadtquartier.

    Alles weil dan vielleicht ein paar Läden zuviel da wären, das ist doch zum kotzen.
    Manchmal zweifle ich wirklich an der Demokratie.

    1. Anna K. Mayer

      500 Wohnungen. Zwei Schulen.
      Beseitigt das tatsächlich irgendeinen der bereits vorhandenen Mängel?
      Oder ist das eher Wunschdenken?

      Weil – in den 500 Wohnungen wohnen ja dann auch Familien.
      Singles tun sich diesen Stadtbezirk doch nicht mehr an.
      Und alte Paare, deren Kinder raus sind, auch nicht.

      Ich hielte „innehalten, tief durchatmen, diesen Bezirk mal in Ruhe betrachten und dann überlegte Lösungen finden/ Entscheidungen treffen unter Für/ Wider Diskussion“ mal für ganz vernünftig. Mir fehlt in diesem ganzen ‚Rumgebaue auf Teufel komm raus‘ die Vision- und Zielkomponente. Und Stadtsenator Geislers „Neubau ohne Grenzen“ reicht nicht, finde ich. Momentan sind – meiner Ansicht nach – alle überfordert.

      Im Wedding beispielsweise, in der Wollankstraße, da hängt ein großes Banner mit der Aufschrift: „Wohnungen zu vermieten“. Wäre ja eine Alternative, oder? Also, wenn es denn wirklich um’s Wohnen ginge …

  4. Max Müller

    Die Schule sollte natürlich grösser sein als nur für die neu entstehenden Wohnungen, das war impliziert.

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