Der lange Weg zur Plansche-Panke

Von | 18. August 2015

So ein ausgewachsenes 50-Meter Becken kann man sich an keiner Stelle der Panke so richtig vorstellen. Nicht im Panketal wo die nahe Bernau entspringende, oder besser auf einer Feuchtwiese hervortretende, Panke teilweise ein friedlicher Bach ist und nicht im Wedding, wo sie zum von Steinmauern eingezwängten Kanal wird, um später als besseres Abflussrohr zu enden. Tatsächlich gab es aber bis 1926 im Bürgerpark  eine öffentliche Badestelle, die dann aus hygienischen Gründen geschlossen wurde. Und das obwohl der Zeitgeist von einer EU-Wasserrahmenrichtlinie heutiger Prägung noch 174 Jahre entfernt war.


Eine richtige Badestelle gibt bis heute nicht mehr. Aber an heissen Tagen im August wird die Panke von den Berlinern mindestens zum Füßekühlen genutzt. Vor allem die neuen Staustufen im Schlosspark sind geradezu zur Kinderplantsche mutiert. Wie sieht es denn nun aber aus mit der aktuellen Wasserqualität der Panke?

Steigende Belastung nach Starkregen

Qualität ist immer eine Frage des Maßstabs. Verglichen mit der Stinkebrühe, die vor etwa hundert Jahren die Panke in Richtung Spree runter floss, ist der Fluss heute sauber. Damals landete neben den Industrieeinleitungen aus dem Wedding nahezu alles in der Panke, was die Qualität eines Flusses so richtig ruiniert. Der Spitzname Stinke-Panke war ehrlich verdient. Das ist Geschichte. Trotzdem ist noch längst nicht alles im Lot: „Die Panke nimmt nach Starkregenereignissen das Wasser aus den umgebenen Straßen auf. Neben Wasserstandschwankungen kommt es daher kurzzeitig zu Belastungen mit abbaubarem organischen Material und mikrobieller Belastung. Durch die anteilige Zufuhr von Klarwasser aus dem Klärwerk Schönerlinde wird die Panke zusätzlich belastet“, sagt Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Die Behörde kontrolliert monatlich die Wasserqualität der Panke. Ein prädestiniertes Badegewässer ist der kleine Fluss nicht und wird es trotz ambitionierter Renaturierungsmaßnahmen so schnell auch nicht werden.

Berlin betreibt Renaturierung

Tatsächlich hat sich die Stadt, auch unter dem Eindruck der genannten EU-Wasserrahmenrichtlinie einiges vorgenommen. So wurden bei der Panke schon die Schwellen für den Einlauf erhöht. Im Klartext: Die Berliner Mischkanalisation entleert sich nach regenbedingter Überlastung seltener in die Panke. Maßgeblich für die Renaturierung ist das Pilotprojekt Panke 2015. Mittlerweile sollte es eher Panke 2018 beziehungsweise 2021 heissen. Nach dem neuen Start- und Enddatum, da es bei der Planung zu einigen Verzögerungen kam.

Neben diesem Programm wird im Unterlauf der Panke ein Speicherstauraum für 25.000 m³ Abwasser geschaffen. Dafür fließen 10 Mio € in den Stauraumkanal Mauerpark und 30 Mio € in das Regenbecken in der Chausseestraße. Auch diese Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass es möglichst selten zu Überläufen aus der städtischen Kanalisation in die Panke kommt.

Vor allem aber wird an der Durchwanderbarkeit des Flusses für Fische und an einem möglichst natürlichem Verlauf gearbeitet. Primäres Ziel sind dabei allerdings nicht Berliner Wasserfreunde sondern Flora und Fauna. Die Artenvielfalt soll steigen. Ein ambitioniertes Unterfangen, denn die Panke, so sieht es auch der Senat, wird man nicht wieder so hinkriegen, wie sie mal war. Spätestens im Wedding stehen dafür links und rechts dann doch zu viele Häuser. Und die kann man natürlich nicht mal einfach so abreissen, um dem Fluss eine Kurve zurück zu geben oder natürliche Auen zu schaffen. Andererseits verläuft die Panke kurz vor ihrer Mündung in die Spree auch sehr nahe der neuen, hässlichen, gigantomanen BND-Zentrale…

Ein Kommentar zu “Der lange Weg zur Plansche-Panke

  1. Matthias Kolbeck

    Nicht mehr ganz taufrisch aber sehr interessant: Die Webseite zum Thema unter http://panke.info/pages/die-neue-panke.php Das ist auch ein Computerspiel verlinkt, bei dem jeder selbst die Panke renaturieren kann, durchaus lehrreich für aufgeweckte Nachwuchs-Ökologen.

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