Die Preise spielen verrückt

Von | 4. März 2019

Eigentümer können sich entspannt zurücklehnen, während Mieter und Kleinsparer in die Röhre gucken. Durch Eurorettung, Nullzinspolitik, die Flucht in Betongold und den Run auf die Großstädte sind die Bodenpreise in Berlin und rund um die Florastraße in Pankow regelrecht explodiert. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Gutachterausschusses. Wo Grundstücke im Florakiez bis 2013 für moderate 330 Euro den Quadratmeter verkauft wurden, gingen die Preise in den vergangenen Jahren immer steiler nach oben.

Zum Stichtag 1. Januar 2019 legte der Wert im Vergleich zu 2013 um unglaubliche 600 Prozent auf 2.300 Euro zu. Das sind allein im Jahresvergleich 500 Euro mehr. Auf so teurem Baugrund lassen sich keine günstigen Wohnungen errichten, weder als Eigentum und schon gar nicht zur Miete.

Wie man erst bei näherer Betrachtung sieht, waren die Preise in den Jahren nach der Wende schon einmal ziemlich hoch. Rechnet man die Inflation von rund 50 % seit 1992 ein, entsprechen die 1.500 DM (770 Euro) von damals ungefähr 1.200 Euro heute. Die Wette ist in dieser Zeit für viele Investoren nicht aufgegangen.

Bei den Daten handelt es sich nicht um die Auswertungen von Angeboten auf Immobilienportalen. Die Werte des Gutachterausschusses basieren auf tatsächlich geschlossenen Kaufverträgen.

Zwischen 2013 und 2019 liegen 597 Prozent

Hanno Hall
Hanno Hall

Lebt seit 1997 in Berlin und seit 2010 im Kiez. Verantwortet n-tv.de und die n-tv Apps. Interessiert sich für Baustellen, Flughäfen und Politik. Geht zu Fuß, fährt Rad, BVG und Auto.

10 Kommentare zu “Die Preise spielen verrückt

  1. AvatarMax Müller

    Berlin holt jetzt den Zuzug nach, den viele schon nach der Wende erwartet hatte. Bei jährlichem Zuzug von 50000 Leuten wären sowieso keine sinkenden Preise zu erwarten.

    Ein Blick in andere Grossstädte verrät dass Berlin immer noch relativ billig ist.

    Billiger wird es erst wenn ne richtige Rezession kommt. Dann platzen die auf Kante genähten Kredite der Spätkaufenden. Aber auch da bleibt die Nachfrage wahrscheinlich hoch.

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  2. AvatarBlümchen

    Es wird nie wieder deutlich günstiger werden, denn Bauland vermehrt sich nicht und ist – da begrenzt verfügbar- ein kostbares Gut, dass umso kostbarer wird je mehr Menschen es auf dem Planet Erde gibt. Selbst eine Rezession kann da nicht so viel ausrichten. Da muss schon etwas viel schlimmeres passieren…aber das möchte ich nicht heraufbeschwören.

    Eine deutlich höhere Grundsteuer für nicht selbst genutztes wohneigentum- aber nur begrenzt auf Mieter umlegbar- wäre ein kleiner Anfang. Dann noch kostenlose Kita und Ehegattensplitting abschaffen und es ist wieder Geld da für den sozialen Wohnungsbau.

    Man darf auch nicht vergessen, dass der Staat an den gestiegenen Immobilien- und Bodenpreisen kräftig mit verdient ( Grundsteuer, Grunderwerbsteuer, Einkünfte V&V, Gewinne der Baufirmen etc.) und daher deutlich mehr Geld aus dieser Quelle für den sozialen Wohnungsbau ausgeben könnte als geplant.

    Das Land Berlin war so dumm und hat viel verkauft als die Preise niedrig waren. Und jetzt das retten einzelner Häuser zum Höchstpreis, was man davon hätte bauen können für den real erwirtschafteten Verlust, das möchte man lieber nicht ausrechnen.

    Ach ja, da gerade aktuell: wenn der Staat nicht soviel Geld für Berater ausgeben würde, dann wäre da auch locker noch was drin für dezenten Neubau.

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  3. AvatarMax Müller

    Bauland gibt es in Berlin genug. Nirgends gibt es soviel Bauland wie in Berlin. Braucht man aber gar nicht. Endlich die dämliche Traufhöhe von 20 m weg und man kann 200000 Wohnungen bauen, ohne einen Meter Grün zu verlieren.

    Dann noch ein paar Parkplätze überbauen, wie in München vorgemacht und der Drops ist gelutscht.

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    1. AvatarErik

      Parkplätze überbauen? Welche Parkplätze?

      Freie Kita? Kieskanne? Völlig sinnlos. Davon profitieren auch die, die es eigentlich nicht nötig hätten.

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      1. AvatarMax Müller

        Von Supermärkten.

        Zum Bsp. der an der Wohlan/Ecke Flora. Man hätte die Häuserzeile weiterbauen können.
        Supermarkt im EG, Durchfahrt nach hinten. Sähe auch besser aus.

        Dass man die Fläche der einstöckigen Supermärkte besser nutzen könnte, darauf sind sie jetzt sogar bei der Stadtverwaltung gekommen. Bei Neubauten werden Aldi und Co. Wohnungen oben drauf machen.

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        1. AvatarBlümchen

          Das ist doch schon ein alter Hut. Genauso wird darüber nachgedacht bei Schwimmbädern etc die Parkplätze zu überbauen.

          Nachverdichtung ist noch möglich und wohl auch notwendig, allerdings sollte man es damit nicht übertreiben und erstmal für die nötige Infrastruktur sorgen.

          Außerdem sind die Baufirmen momentan auf Monate ausgebucht…

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          1. AvatarPoltergeist

            Blümchen, Du hast Recht.
            Diese Nachverdichtung wird aber just in diesem Moment völlig übertrieben, missbraucht und sogar genehmigt.
            Siehe zum Beispiel diese Baustelle Wollankstraße 116.
            Absurder geht’s wohl nicht mehr. Die Anwohner bzw. Nachbarschaft (Mieter) sollen einfach im Schatten verrecken.
            Hauptsache diese künftigen Nachbarn können in einer sonnendurchfluteten Panoramaposition wohnen. Eigentumswohnungen, versteht sich.
            „Berlin braucht zusätzliche Wohnungen“ JAJA – alles klar.

          2. AvatarMax Müller

            Alter Hut vielleicht, machte aber niemand bisher. Nachdenken allein lindert keine Wohnungsnot.

            Wenn wir auf die Infrastruktur warten können wir es bei diesem Senat gleich bleiben lassen. Als vor Jahren der Zuzug von Familien mit Kleinkindern aus Prenzlberg einsetzte waren die ganz überrascht, dass diese auch Schulplätze brauchen. Die indergartenmisere konnten ja viele in Eigeninitiative beheben,aber Privatschulen gründen ist etwas schwieriger.

            Aber wir haben doch ganz viele Fachkräfte neu hinzubekommen, es kann eigentlich kein Mangel sein.

      2. AvatarBlümchen

        Ich schrieb kostenlose Kita abschaffen. Würde einerseits die Qualität verbessern und das eingesparte Geld kann umgelenkt werden, zum Beispiel für Spielplätze, Schulen, Wohnungsbau, Jugendclubs…

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  4. AvatarKenny

    Den sogenannten „Schweinezyklus“ gibt es ja schon lange, viel länger als die meisten von uns auf der Welt sind.
    Was es bisher noch nicht gab ist der Niedrigzins, bis hin zum Negativzins in dieser Form.
    Die EZB hält zur Zeit Firmen und sogar ganze Länder damit am Leben. Nunja, ob das gut ist wird sich mittelfristig noch zeigen.
    Die Bodenpreise werden damit absehbar noch weiter ansteigen. Durch Gesetzgebungen, überwiegend von der EU veranlaßt, sind die Baukosten pro m² zusätzlich zur Inflation, etwa um 30% in den letzten 15 Jahren gestiegen.
    Nimmt man jetzt beispielsweise die länderspezifische Grunderwerbssteuer noch hinzu, ist in den vergangenen 20 Jahre der Faktor 3 anzusetzen. Von 2% auf 6% in Berlin.
    An der Grundsteuer will man jetzt ordentlich drehen. Das ist eine Vermögenssteuer und gehört nach mein Empfinden gar nicht auf die Wohnraummiete Miete umgelegt
    Die Primärenergiekosten haben sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt…. (außerhalb des Themas)
    Ausländische „Investoren“ dürfen hier zum spekulieren kaufen was sie wollen, in anderen Ländern geht das nicht, oder nur mit Auflagen. Hier sollte sofort ein Riegel vorgeschoben werden.
    Der hübsche „doppelt qualifizierte Berliner Mietspiegel“ schafft gute Möglichkeiten um „Wohnraummiete“ mit etwas Verzögerung bis ins unendliche nach oben zu treiben. Aktuell ist die Grenze §5 Wirtschaftsstrafgesetz.
    Ich schrieb schon mehrfach darüber. Das haben natürlich die „Investoren“ und Spekulanten mit ihren Rechtsabteilungen und findigen Maklern schon lange erkannt.
    Es ist nicht sehr schwer für die Berliner Regierung, bei letzeren Punkt zügig Abhilfe zu schaffen, sofern überhaupt der Wille und der Mut dazu vorhanden ist. Das sehe ich leider nicht. Genderdebatten usw. scheinen wichtiger.
    Es gäbe noch viel zum Thema im Artikel zu schreiben.
    Die meisten obigen Punkte treiben eben den Bodenpreis automatisch mit nach oben. Immer Stück für Stück und Einzelthema für Einzelthema, schleichend sozusagen.
    Ich persönlich rechne mit sinkenden Immobilienpreisen beim Bestand in ca. 3 Jahren+, dann jedoch ruckartig. Neubauten werden in der Anschaffung/Errichtung teurer, Dank immer neuer Gängelungen durch Verordnungen und Gesetze. Die Folge für die Bodenpreise – sie werden sich dem anpassen.
    Vorher könnte man noch alle Kleingärten dieser Stadt restlos entfernen – die einzige „Tradition“ die Berlin hat, später dann hatte.
    So long Kenny

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