Die Mieten im Florakiez sind gesunken

Von | 14. Mai 2019

Blick über den Florakiez

Überraschung: Die Mieten rund um die Florastraße sind in den letzten beiden Jahren nicht weiter gestiegen. Im Gegenteil. Laut dem gerade veröffentlichten Berliner Mietspiegel 2019 sind sie leicht gesunken. Rechnet man die Inflation von 3,3 % seit 2017 ein, haben die „ortsüblichen Vergleichsmieten“ real sogar deutlich nachgegeben. Berlin ist offenbar doch nicht München oder Frankfurt.

Wer den Mietspiegel-Wert der eigenen Wohnung im Internet ermitteln möchte, muss zunächst den Straßennamen eintragen. In einem zweiten Schritt die Hausnummer. Danach werden das Baujahr der Wohnung und die Größe abgefragt. Als Ergebnis erhält man ein sehr klein gedrucktes, blaues Zwischenergebnis. Auf das muss erneut geklickt werden, um die Angaben zur Wohnung zu verfeinern.

Die Florastraße trägt Orange

Abgefragt werden dutzende Merkmale vom Energieverbrauch über den Fußbodenbelag, Fahrradstellplätze und das Erscheinungsbild des Hauses bis hin zur Ausstattung von Bad und Küche. Hat man alles ausgefüllt, erhält man die ortsübliche Vergleichsmiete ohne Nebenkosten, sprich: die Kaltmiete.

Der Florakiez ist wie gewohnt als „mittlere Wohnlage“ eingestuft. Der Mietspiegel ist sehr grob und kennt vom Wannsee bis Marzahn nur „einfache“ (Gelb), „mittlere“ (Orange) und „gute“ (Rot) Lagen.

Am teuersten sind rund um die Florastraße erwartungsgemäß Neubauten ab Baujahr 2003. Mit den heute gängigen Ausstattungsmerkmalen kommen 12,20 bis 12,73 Euro ortsübliche Vergleichsmiete pro Quadratmeter zu Stande. Im Mietspiegel 2017 waren es noch 13,10 bis 13,94 Euro. Für einen gut sanierten Altbau weist der Mietspiegel eine Kaltmiete von 9,80 bis 10,25 Euro aus. 2017 waren es 10,06 bis 10,27 Euro. Wenig gepflegte Nachkriegsbauten werden heute wie 2017 noch mit unter 6 Euro angegeben.

Berlinweit ist die Situation etwas anders. Hier sind die Mieten seit 2017 im Schnitt um 5 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt jetzt bei 6,72 Euro. Von den oben genannten Städten ist das immer noch weit entfernt. In Frankfurt sind es 9,36 Euro pro Quadratmeter, in München sogar 11,69 Euro.

Bedeutung hat der Mietspiegel vor allem für Mieter, die mit einer Mieterhöhung rechnen. Denn Wohnungseigentümer dürfen in der Regel bis auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete anheben. Nicht unbegrenzt, aber bis zu 15 % Mietsteigerung alle drei Jahre sind erlaubt.

Wer eine neue Wohnung sucht, für den taugt der Mietspiegel nur als Orientierungsgröße. Denn er bildet den Bestand ab und wird aus den Änderungen von bestehenden Mietverträgen in den letzten vier Jahren und im selben Zeitraum abgeschlossenen Verträgen berechnet. Sozialwohnungen werden nicht berücksichtigt. Bei Neuvermietungen werden heute trotz Mietpreisbremse auch höhere Summen aufgerufen.

Hanno Hall
Hanno Hall

Lebt seit 1997 in Berlin und seit 2010 im Kiez. Verantwortet n-tv.de und die n-tv Apps. Interessiert sich für Baustellen, Flughäfen und Politik. Geht zu Fuß, fährt Rad, BVG und Auto.

19 Kommentare zu “Die Mieten im Florakiez sind gesunken

  1. AvatarGregor

    Das ist natürlich sehr erfreulich. Allerdings muss man schon fragen, ob 12€ Kaltmiete pro Quadratmeter eine Miete ist, die sich Normalverdienende leisten können! Ich denke wir haben noch einigen Handlungsbedarf.

    1. AvatarMax

      Ein finden sich schon ein paar, die sich das gerade noch leisten können. Aber in Berlin wachsen die Bäume, Ahm die Mieten nicht in den Himmel.

      Generell hat insbesondere Berlin, wie auch ganz Deutschland, ein Einnahmenproblem.

      Die Reallöhne sind kaum gestiegen, aber es werden die höchsten Steuern abgepresst. Und keine Gelbwesten in Sicht.

      Aber wie die Mieten bei hohen Gehältern sind kann man sich hier ansehen.

      https://www.immoscout24.ch/de/wohnung/mieten/ort-zuerich?nrf=3&pn=1&se=1

    2. AvatarGreenday

      Mit welchem Einkommen ist man denn ein Normalverdiener? Ein Gymnasiallehrer bekommt 5.500€ brutto im Monat und wenn der Partner auch noch Lehrer ist!? Ist Lehrer kein normaler Beruf? 🙂

  2. AvatarHans im Glück

    Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

    1. AvatarHans W.

      Die große Skepsis? Würde ich vom Gefühl her teilen. Aber das Goebbels (und fälschlich Churchill) zugeschriebene Zitat zeigt nur dessen Umgang mit der Wahrheit und ist ungeeignet für Kritik an Statistiken. Statistiken muss man lesen können, deren Erläuterung und Interpretation wäre zum Beispiel journalistische Leistung.

      1. AvatarKenny

        Politische Statistiken dienen politischen Zielen. Es reicht nicht, sie nur lesen zu können wenn sich die Erhebungsgrundlagen ständig ändern. Sie benötigen praktisch eine historische Matrix für Statistiken von vor x Jahren und heute zum gleichen Thema und müssten eigene, neutrale Gewichtungen der Änderungen erstellen. Fast jeder Journalist wird damit völlig überfordert sein, vor allem jene die von neuzeitlichen „Journalistenschulen“ kommen.
        Auch makroökonomische Kennzahlen wie z.B. die Inflationsrate spiegelt für den einzelnen gar nichts wieder, da jeder seinen persönlichen, flexiblen „Warenkorb“ hat. Selbst die Erhebungsgrundlagen der Inflationsrate ändern sich ständig, also der Warenkorb mit entsprechenden Gewichtungen.

      2. AvatarMax

        Ob es nun Goebbels oder Churchill, beide Totengräber ihrer jeweiligen Reiche, gesagt hat, ist einerlei. Beide in einen Sack und draufgehauen, es trifft den richtigen.

        Eins dürfte klar sein, Statistik dient immer dem jeweiligen Auftraggeber und ist entsprechend gefärbt.

  3. AvatarKenny

    Die Nettokaltmieten sind nur ein Teil der Wahrheit zum Betreff „Wohnen“ oder Wohnkosten.
    Die Betriebskosten kommen hinzu um einen näheren Vergleich mit der Inflationsrate zu ermöglichen.
    aus nachfolgender Quelle:
    https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/betriebskosten/de/analyse.shtml
    und: https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/betriebskosten/de/tabelle.shtml

    – „Zum 1. Januar 2018 sank der Preis für Schmutzwasser (Entwässerung) für die Tarifperiode 2018/2019 um 4,0 Prozent. Der Preis für das Niederschlagswasser stieg zum 1. Januar 2018 um 2,0 Prozent. Der Grundpreis und der Tarif für Trinkwasser (Wasserversorgung) blieben zum 1. Januar 2018 unverändert.
    – Zum 1. Januar 2019 stiegen die Straßenreinigungsgebühren der BSR für die Tarifperiode 2019/2020 durchschnittlich um 3,7 Prozent.
    – Zum 1. Januar 2019 stiegen die BSR-Tarife der Abfallwirtschaft für die Tarifperiode 2019/2020 durchschnittlich um 3,8 Prozent.
    – Im Jahr 2018 sind die Preise für Gas und Fernwärme nur leicht gestiegen, während der Heizölpreis deutlich angestiegen ist. Dies wird sich jedoch erst auf die Heizkostenabrechnung für das Jahr 2018 auswirken.“
    (Das betrifft übrigens auch die Kosten der Warmwasseraufbereitung)
    ……
    Falls noch erfolgreich an der Grundsteuer gedreht und diese umgelegt wird, kommen diese höheren Kosten noch hinzu.

    1. AvatarGraumann

      Oh wird hier gejammert. Betriebskosten incl. Heizung betragen ca. 2,50€-3,00€/qm. Mein Tipp die Heizung nicht so weit aufdrehen. 😉 Die Grundsteuer wird heute schon umgelegt. Diese beträgt ca. 19 Cent/qm im Florakiez. Um mir die leisten zu können, muss ich auf 4 Glas Bier im Monat beim Italiener verzichten. 🙁

      1. AvatarKenny

        Wer jammert denn an welcher Stelle? Gefallen ihnen reine Fakten nicht weil sie da etwas hinein interpretieren möchten was da gar nicht zu finden ist?
        Heizung nicht so weit aufdrehen? Sagen sie das mal älteren Menschen. Behaglichkeit empfindet jeder Mensch anders. Dafür Bedarf es keiner schlauen Tipps von ihnen.
        Schrieb ich das die Grundsteuer bisher nicht umgelegt wird? Lesen sie noch mal ganz genau nach.

  4. AvatarQuarso

    Ich finde das alles ziemlich unübersichtlich. Vielleicht irre ich mich ja, aber musste der Mietspiegel nicht zwangsweise sinken, nachdem die Gesobau ein Großteil sozialverträglicher Wohnungen im Kiez gebaut hat?
    Diese müssten doch den Schnitt drastisch beeinflussen, oder?
    Ich kenne eine Familie, die gerade in einen Neubau in der Mendelstr. gezogen ist und dort dank WBS eine für Pankow lächerliche Miete zahlt.
    Was auch uns sehr sauer aufgestoßen ist, weil wir uns vor ein paar Jahren auch aus unserem geliebten Pankow haben vertreiben lassen. Es war einfach nix bezahlbares mehr zu finden.

    1. Hanno HallHanno Hall Post author

      Geförderte Wohnungen mit Mietpreisbindung fließen nicht in den Mietspiegel ein.

    2. AvatarMax

      Tja so ist das halt, solche Überraschungen würden die allfälligen Befürworter von Enteignungen dann auch machen.
      Die Wohnungen werden dann zugeteilt werden, aber eben nicht ihnen. Andere sind meist bedürftiger, und manche sind besonders bedürftig, weil man ihnen eine Wohnung geben MUSS.

      Wo man auf dem freien Markt noch mit Sympathie gewinnen kann, entscheidet dann ein Apparatschik.

      Zur Unterhaltung hat sich jemand ein paar Gedanken dazu gemacht.

      http://www.murray-rothbard-institut.de/texte/staatswohnung-versus-wohnungsmarkt/?fbclid=IwAR1S65Tebq4PU-ateMNhE3JJW0dSTxT-URKrXibGBPa73t-76lsuLmKpixY

  5. AvatarG. Förster

    Seit 1. Mai 2019 zahlen wir für unsere 70m² Wohnung 50,-€ mehr Miete – nach Mitspiegel 2017.
    Ich kann die tendenziöse Auslegung der Statistik nicht nachvollziehen. In anderthalb Jahren werde ich wieder 50,- € mehr zahlen, entsprechend Mietspiegel 2018.
    Das einzige was sinkt, ist mein Einkommen als Rentner. Da helfen auch die steigenden Renten nicht.

    1. AvatarMax Müller

      Mietspiegel gibt es nur alle Zwei Jahre und es hört sich so an als seinen Sie eh schon am Limit.

      Die nächste Erhöhung wird nicht so einfach.

    2. AvatarKenny

      @ G.Förster
      Zahlen sie insgesamt 50,- € mehr, also in der Summe von Nettokaltmiete und Betriebskosten oder beziehen sich die 50,- € nur auf die Nettokaltmiete? Wenn sie einen älteren Mietvertrag haben, wäre es auch wichtig zu wissen wie sich die Zusammensetzung der Miete bei ihnen darstellt. Staffelmiete zahlen sie hoffentlich nicht?! Haben sie einen Mietvertrag über eine Pauschalmiete, Bruttokaltmiete oder Bruttowarmmiete?
      Es ist schon erstaunlich das sie zum 01.05.2019 auf Grundlage des Berliner Mietspiegels von 2017 eine Mieterhöhung erhalten haben. Wie sieht denn der Vergleich zum aktuellen Mietspiegel 2019 aus?
      Der liegt meistens in A4 – Heftform im Rathaus aus (EG rechts irgendwo im Gang), oder eben hier: https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/mietspiegel/de/broschuere.shtml
      Sonst können sie auch die online-Abfrage nutzen. Der Link dazu steht ganz oben im Text.

      1. AvatarG. Förster

        An Kenny,
        vielen Dank für die Antwort.
        Ich zahle Nettokaltmiete, habe einen Altvertrag von 1985, keine Staffelmiete. Mir ist bewusst, dass meine Miete relativ niedrig ist. Neumieter im Haus aus div. Ländern zahlen gern das dreifache. Woher diese Menschen das Geld haben, muss ich nicht wissen. Aber leider machen diese Mieter die Vermieter, z.B. aus Schweden, absolut geldgierig – denn sie wissen nicht, was sie tun…. (die Neumieter).
        Übrigens, die Mieterhöhung ist leider sachlich richtig.
        Gruß

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