Den Spielplatz kann sich der Bezirk sparen

Von | 3. Juni 2014

An der Mühlenstraße möchte der Bezirk für 245.000 Euro einen neuen Spielplatz bauen. Das Areal hinter der Alten Mälzerei soll mit lang haltbaren Spielgeräten ausgestattet werden. Die Bewohner des Kiezes sind aufgefordert, bei der Gestaltung des Erholungsortes mitzumachen und trotzdem hagelt es Kritik. Soll wirklich eine brandneue Anlage entstehen anstatt die vorhandenen zu pflegen?

Nein! Denn gleichzeitig vergammeln überall im Bezirk die vorhandenen Spielplätze. Holz verrottet, Geräte werden abgebaut oder bestenfalls durch billiges Standardmaterial ersetzt. In Prenzlauer Berg gibt es sogar einen Spielplatz, der seit über einem Jahr wegen Baufälligkeit komplett gesperrt ist. Da macht ein neuer keinen Sinn. Ganz davon abgesehen, dass die Versorgung im und um den Florakiez schon heute halbwegs vernünftig ist.

Es wäre besser, wenn der Bezirk das Geld in die Instandhaltung stecken würde. Was bringt denn ein neuer Spielplatz, wenn kein Geld für die Pflege da ist? In ein paar Jahren gibt er er ein ähnlich trauriges Bild ab wie die bereits vorhandenen Plätze. Doch Politiker finden Neubau grundsätzlich besser als Sanierung und Pflege. Bei Neubauten gibt es schöne Pressetermine und feierliche Eröffnungen, es können rote Bänder durchgeschnitten und Reden gehalten werden. Das sieht nett aus und kommt – so glauben die Verantwortlichen – beim Wähler gut an. Ein gut gewarteter Spielplatz lockt keine Journalisten an und wird von der Bevölkerung als Selbstverständlichkeit verstanden – was er auch ist. Für die Pflege der 216 Spielplätze in Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee stehen kümmerliche 1,8 Mio Euro zur Verfügung (Zahlen von 2013). Das reicht hinten und vorne nicht.

Den Spielplatz in der Mühlenstraße sollte sich der Bezirk im wahrsten Sinne des Wortes sparen und die Mittel in die vorhandene Infrastruktur stecken. Vermutlich wäre es sogar vernünftiger, das rund 2.500 qm große Grundstück zu versilbern und den Erlös zweckgebunden für die übrigen Spielplätze zu verwenden. Zumal die Lage an der gefährlichen, viel befahrenen Mühlenstraße für Aktivitäten mit Kindern eher suboptimal ist. Alternativ könnte der Bezirk zwei Probleme auf einmal lösen: In der Mühlenstraße einen großen Parkplatz für die Kiezbewohner einrichten, die geschätzt 100 Stellplätze für monatlich 50 Euro vermieten und so dauerhaft Einnahmen – wiederum für Spielplätze – erzielen. Wenn es Berlin in ferner Zukunft einmal finanziell besser gehen sollte, kann immer noch ein Spielplatz oder was auch immer auf dem Grundstück gebaut werden.

Noch schöner wäre es, das idyllische Grundstück mit wenig Aufwand, ein paar Bänken, Tischen und Papierkörben zu einem kleinen Erholungsort für Erwachsene zu machen.  Im Kiez leben nicht nur Kinder und auch die werden irgendwann älter.

Natalie Tenberg sieht das anders und fordert: Her mit dem Spielplatz!

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Hanno Hall
Hanno Hall

Lebt seit 1997 in Berlin und seit 2010 im Kiez. Verantwortet n-tv.de und die n-tv Apps. Interessiert sich für Baustellen, Flughäfen und Politik. Geht zu Fuß, fährt Rad, BVG und Auto.

Ein Kommentar zu “Den Spielplatz kann sich der Bezirk sparen

  1. Christoph Liebers

    Sehr geehrter Herr Hall,

    nachdem Sie sich schon vehement gegen den Flora-Kiez als Experimentierfeld für eine zeitlich-begrenzte autofreie Zone ausgesprochen haben, schlagen Sie nun einen Parkplatz auf der Fläche des zukünftigen Spielplatzes vor. Dies ist wohl eher satirisch gemeint, obwohl es vorstellbar ist, dass eine solche Idee mehr Interessierte zu einem Planungstreffen lockt als es der Termin zur Bürgerbeteiligung im Planungsverfahren Spielplatz Mühlenstrasse tat. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass im Einzugsbereich des neuen Spielplatzes jeder 4. Mensch ein Kind ist und die von Ihnen aufgezeigten Spielplätze allesamt jenseits großer und / oder vielbefahrener Straßen mit nicht ausreichenden Kreuzungsmöglichkeiten für bspw. jüngere Schulkinder ohne Begleitung liegen. Ein Treffpunkt für diese Kinder, deren Eltern und Bürgerinnen und Bürger ohne Kinder zwischen Alter Mälzerei und Mühlenstrasse inkl. einer für alle KiezbewohnerInnen vorteilhaften Wegeverbindung sowie der – für die Kinder sehr sicheren – Zugangsmöglichkeit von der Mälzerei aus, bringt viele Vorteile mit sich – für den gesamten Kiez! Darüber hinaus ist es doch eigentlich nicht nötig, darüber zu streiten, ob Gelder, die Brachflächen – statt zu Wohnzwecken – für Kinder attraktiv machen, investiert werden sollten. Zumal die bewilligten EU-Gelder zweckgebunden für den Neubau und nicht für die Unterhaltung bestehender Kinderspielplätze bewilligt wurden. Und dass Spielplätze nicht so aussehen müssen wie sie oft aussehen, liegt auch in der Hand der BürgerInnen und Bürger. Zigarettenstummel (es besteht Rauchverbot) nicht im Sandkasten zu entsorgen, ab und zu auch mal eine Chipstüte oder einen Tetrapack von Anderen aufzuheben und wegzuwerfen und seinen Nachwuchs zu bitten, die Sitzgelegenheiten nicht als Skaterrampe zu benutzen, wäre doch ein Anfang. Und spätestens dann könnte der Spielplatz auch das sein, was Sie sich wünschen – ein Ort für Alle die einmal Kinder waren oder noch sind. Wir freuen uns darauf!

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