Her mit dem Spielplatz

Von | 3. Juni 2014
Dieses Areal soll bebaut werden.

Dieses Areal soll bebaut werden

 

 

An der Mühlenstraße möchte der Bezirk für 245.000 Euro einen neuen Spielplatz bauen. Das Areal hinter der Alten Mälzerei soll mit lang haltbaren Spielgeräten ausgestattet werden. Die Bewohner des Kiezes sind aufgefordert, bei der Gestaltung ihres Erholungsortes mitzumachen und trotzdem hagelt es Kritik. Soll wirklich eine brandneue Anlage entstehen anstatt die vorhandenen zu pflegen?

Ja! Der Topf, aus dem das Geld für den neuen Spielplatz kommt, ist nicht der gleiche, in den für die Pflege der vorhandenen gegriffen wird. Soll heißen: Die Mittel für die Bebauung mit Reckstangen und Fussballtoren an der Mühlenstraße ist vorhanden, sie müssen sogar dieses Jahr ausgegeben werden. Hier einzusparen bedeutet nicht automatisch, die vorhandenen Mittel nach eigenen Wünschen umzuverteilen. Das Personal im Grünflächenamt ist sich darüber bewusst, dass ein neuer Spielplatz ihnen Probleme bereitet. Kein Cent mehr steht zur Verfügung, nur weil nun 2500 qm dazu kommen. Schade, tragisch gar, aber deswegen wird hier nun von Anfang an darauf geachtet, einen robusten, pflegeleichten Entwurf zu liefern, bei dem kein Holz ersetzt und Wasser bezahlt werden muss.

Nicht ausschließlich für Kinder

Einen Parkplatz an dieser Stelle vorzuschlagen, von dessen Einnahmen der Bezirk die anderen Spielplätze pflegen könnte, ist auch eine Idee, die, in Schulnoten gesprochen, von mir eine Drei Minus erhält. Zwei Probleme wurden erkannt und verbunden, mehr aber nicht. Denn in einem Stadtteil, in den so viele Kinder ziehen wie nach Alt-Pankow, brauchen wir mehr Fläche, die den Kindern gewidmet ist. Nicht ausschließlich, ein paar seniorengerechte Fitnessgeräte könnten auch aufgestellt werden- schönes Beispiel hierfür: der Lietzenseepark in Charlottenburg. Doch die Kinder bei uns im Kiez sind noch zum größten Teil klein. Auch sie werden älter, brauchen mehr Platz zum Bolzen und Rennen. Was nützt ihnen, wenn regelmäßig das Graffiti vom Sandkasten und der Kleinkindwippe anderer Spielplätze entfernt wird? Ich bezweifele außerdem stark, dass eine solche Zweckgebundenheit der Parkplatzeinnahmen gesichert werden kann. Schließlich braucht Berlin jeden Cent, um seine riesige Flughafenbaustelle in splendid isolation zu halten.

Grundsätzlich schafft ein Spielplatz weniger Probleme als das Tempelhofer Feld. Und da waren bei der gerade gelaufenen Abstimmung doch auch alle dafür, dass es in ein paar Jahren von den im Winde flatternden Chipstüten und umherkullernden Red Bull Dosen geprägt sein wird. Aber ein Fitzelchen Spielplatz soll dagegen zuviel sein? Sollen wir tatsächlich nur die großen Projekte in unserer Stadt fördern und loben, im Kleinen aber resignieren? Nein, das sollten wir nicht. Lieber sollten wir aktiv an der Gestaltung des Spielplatzes teilnehmen, Druck ausüben, damit das Pflegebudget des Grünflächenamtes erhöht wird oder sogar einmal selber Hand anlegen und den eigenen Müll mit nach Hause nehmen, anstatt die volle Pippiwindel in den noch volleren Mülleimer zu quetschen.

Ein Platz für Erfolg

Wenn wir über Spielplätze und ihre Pflege sprechen, sollten wir nicht vergessen, dass sie meist mehr sind als eine einfache Grünfläche. Auf Spielplätzen werden Freundschaften geschlossen. Zwischen Kindern, aber auch zwischen Eltern, die einander hier außerhalb von Kita und Schule kennenlernen. Hier wird ordentlich gestritten, anständig vertragen, und ein Sozialleben im Kleinen geübt. Kinder erleben erste Erfolge, wenn sie sich trauen, die hohe Rutsche zum ersten Mal allein herunter zu rutschen. Ihre Eltern werden den Tag nicht vergessen, an dem das Kind endlich lernt, allein zu schaukeln. Ein Spielplatz dient dem Kiez somit als riesiger emotionaler Erinnerungsraum für alle Kinder des Kiezes, unabhängig von Elterneinkommen und Wohnungsgröße. Sollen wir auf all das verzichten? Nein!

Hanno Hall sieht das anders und schreibt: Den Spielplatz kann sich der Bezirk sparen

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Ein Kommentar zu “Her mit dem Spielplatz

  1. Christoph Liebers

    Ich möchte mich dem Geschriebenen gerne anschließen – und zusätzlich die Frage aufwerfen, woher der Eindruck stammt, dass es im Kiez „Kritik hagelt“. Dutzende von Menschen, mit und ohne Kinder, mit denen ich seit der Planungsveranstaltung gesprochen habe, zeigten sich hoch erfreut und beabsichtigen, sich in die zukünftigen Planungen mit einzubringen!

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