Warum die weiße Villa kein Denkmal wird

Von | 1. Februar 2015
Weiße Villa Januar 2015

Trübe Aussichten

Die im Kiez wenig geliebte Baugemeinschaft sucht weiter nach Mitstreitern, um die weiße Villa in der Florastraße 86 zu kaufen und abzuräumen.

Die Initiative „Florakiez erhalten“ um den Anwohner Thomas Rötschke hat sich vergeblich dafür eingesetzt, dass die Villa unter Denkmalschutz gestellt wird, um den Abriss zu verhindern. Nachdem die Behörde zunächst nur mit einem knappen Satz mitgeteilt hatte, dass keine Aussicht auf Denkmalschutz besteht, hat das Landesdenkmalamt die Entscheidung inzwischen begründet. Die Erklärung im Wortlaut:

„Voraussetzung zur Eintragung einer baulichen Anlage als Baudenkmal ist neben einer z.B. geschichtlichen, städtebaulichen oder künstlerischen Bedeutung die der Besonderheit, mit der sich das betreffende Gebäude von den allgemein üblichen seiner Umgebung besonders herausragend hervorhebt. Dabei spielt die für die Bauzeit maßgebliche Modernität in künstlerischer Gestaltung, Baukörperausweisung, Materialverwendung u.ä. eine Rolle. Auch gesellschaftspolitische Aspekte, bedeutende Architekten oder ein wissenschaftliches Forschungsthema oder die seltene Überlieferung dieser Bauaufgabe können ausschlaggebend für das Erhaltungsinteresse der Allgemeinheit sein.

Diese vom Gesetzgeber geforderte Besonderheit liegt hier nicht vor.

Bei dem angefragten Wohnhaus Florastraße 86 handelt es sich zwar um ein dreiseitig freistehendes, an die nordöstliche Grundstücksgrenze gebautes Gebäude von zwei Geschossen auf Souterrain wie es häufig in den 1870er Jahren errichtete wurde. Dieses wurde aber erst 1892 gebaut und zeigt sich in einer für seine Bauzeit eher konservativen Formensprache und Baukörperausweisung als es die gleichzeitigen Mietshäuser in der unmittelbarer Umgebung tun.

Im Landesdenkmalamt Berlin hatte bereits 1996 eine Prüfung eines eventuellen Denkmalwertes des o.g. Wohnhauses stattgefunden. Dabei konnte keine Denkmalbedeutung festgestellt werden. Anlässlich der aktuellen Anfragen haben wir erneut das Wohnhaus und die Nebengebäude begutachtet und die frühere Aussage bestätigt gefunden. Durch die 1999-2000 durchgeführten Sanierungs- und Umbaumaßnahmen ist weitere ursprüngliche Materialität und Gestaltung verloren gegangen.

Da hier ein privates Erhaltungsinteresse der Hausnachbarn aber keines der Allgemeinheit vorliegt, sehen wir von einer Eintragung als Baudenkmal ab.“

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3 Kommentare zu “Warum die weiße Villa kein Denkmal wird

  1. Straßenschlucht

    „Durch die 1999-2000 durchgeführten Sanierungs- und Umbaumaßnahmen ist weitere ursprüngliche Materialität und Gestaltung verloren gegangen.“ Autsch!

  2. Poltergeist rettet Florakiez

    Zitat Projektvorstellung Baugemeinschaft auf Wohnportal Berlin:
    Inhaltliche Merkmale / Zusammenleben
    – nachbarschaftliche Aktivitäten (das stimmt allerdings, genau das befürchten wir auch – Abriss weiße Villa und Wohnklotz bauen)
    – wohnen und arbeiten (ach was – wirklich? Ist ja endlich mal etwas innovatives in Pankow! )
    – gegenseitige Hilfe (ja, über die Straße wahrscheinlich und dann bei Café Paula gegenüber schön Teechen oder Käffchen schlürfen und einander bestätigen wie toll ihr doch seid mit so einem monströsen Bauwerk)
    – Kunst und Kultur (super! Pocket Park schön vor der Haustür oder so? Ost-Kultur vielleicht? Keine Ahnung was hier wieder gemeint ist. )
    – gemeinschaftl. kostensparendes Bauen (sprich einziges Interesse, scheiß auf die weiße Villa, scheiß auf die Anwohnerschaft, alles andere ist doch einfach Marketing-Gelaber)

    „Baugruppe im Florakiez sucht Mitstreiter“
    Mitstreiter? Das sagt schon alles! Ich bin Poltergeist und liebe die Villa.

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