Post aus Pankow: Die Sammlung Willy Manns

Von | 18. Mai 2015

Postkarten übermitteln Grüße. Im Museum Pankow in der Heynstraße kommen sie aus der Pankower Vergangenheit. Aus einer Zeit, als die Besucher die Grüße noch nach Berlin übermittelten –  auf Karten der Wirte, die für ihre Ausflugslokale werben wollten. Der 2007 verstorbene Willy Manns hat diese und viele, viele andere Postkarten aus Pankow gesammelt.

Ausstellungsplakat

Plakat zur Ausstellung

Und mehr als das: „Er war nicht nur Sammler, sondern Chronist, der die Geschichte hinter den Bildern erzählt“, sagt die Kuratorin der Ausstellung Birgit Kirchhöfer bei der Eröffnung. So hat Manns Skizzen gefertigt und die Texte einiger Ansichtskarten sorgfältig transkribiert.

Autofreie Florastraße und mondäner Dorfanger

Und so präsentiert diese kleine Ausstellung einen tiefen visuellen Ein- und Überblick der Geschichte von Alt-Pankow und den umliegenden Gegenden. Erzählt von längst vergangen Bierkneipen, einer (fast) autofreien Florastraße und einem mondänen Dorfanger um Kirche und Rathaus, der von Springbrunnen geschmückt ist und mit der heutigen Durchfahrtskatastrophe nicht viel zu tun hat.

Bei der Ausstellungseröffnung erinnerte auch Karin Manns mit einer Geschichte an ihren Mann. Der fand in Pankow seine Heimat, nachdem er in den 70er Jahren hierher zog. Die junge Familie richtete sich in der Wollankstraße 20 eine „Ausbauwohnung“ her und zeigte später den neu geborenen Nachwuchs vom Balkon (auch der gehört mittlerweile der Vergangenheit an) der Verwandschaft. So konnte auch die West-Tante den ersten echten Pankower der Familie per Fernglas bewundern. Karin Manns erzählt auch, wie wichtig ihrem Mann seine Pankower Lieblingsorte wie die Zigarettenfabrik Garbáty, das jüdische Waisenhaus und der Bürgerpark waren. Orte, für die er sich auch aktiv engagierte.

Vertrauter und Sammlerfreund

Bei der gut besuchten Ausstellungseröffnung hielt auch der Historiker Dr. Hermann Simon, Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin –  Centrum Judaicum, ein Grußwort. Manns vermachte seine Postkartensammlung Simon, der diese in Abstimmung mit dessen Witwe verwaltet. Simon und Manns waren Vertraute und Sammlerfreunde. Oft tauschten sich beide noch spät abends per E-Mail über ihre gemeinsame Leidenschaft aus.

Ganz in dieser Tradition hat sich jüngst auch Karin Manns spät abends per Mail an Simon gewandt. Dabei ging es darum, dem RBB einige Bilder für das “Bilderbuch Pankow” bereitzustellen, welches am Pfingsmontag ausgestrahlt wird.

Gespräche während der Eröffnung: Karin Manns (mitte), Dr. Simon (rechts)

Gespräche während der Eröffnung: Karin Manns (mitte), Hermann Simon (rechts)

Belege der Veränderung

Die Gegend um den Florakiez verändert sich derzeit rasant. Dass Veränderung aber keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist, wird jeder merken, der sich diese sehenswerte Ausstellung anguckt. Wer innehalten und sich die Geschichte und Geschichten um Bürgerpark, Florastraße und andere Orte Pankows mit Hilfe von Willy Manns umfangreicher Postkartensammlung vor Augen führen will, hat dazu noch bis zum 7. Februar 2016 Zeit.

Sehenswert. Die Sammlung Willy Manns
Museum Pankow, Heynstraße 8
Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag, 10-18 Uhr
Eintritt frei

5 Kommentare zu “Post aus Pankow: Die Sammlung Willy Manns

  1. Maja Wiens

    Vielen Dank für den Artikel.
    Für alle diejenigen, die die Ausstellung nicht besuchen können, gibt es eine tolle Möglichkeit, die Sammlung von Willy Manns zu bestaunen – sie ist nämlich einschließlich vieler Informationen auf seiner Homepage zu bewundern. Der Besuch dieser Seite sei auch denjenigen empfohlen, die die Ausstellung besuchen, es macht wirklich Spaß :-). Florastraße, Grunowstr., Neue Schönholzer – die alten Ansichten verraten, wie unser Viertel früher einmal aussah.
    http://www.ansichtskarten-pankow.de
    Vielleicht ergänzt ja der Autor seinen Artikel um diesen Link – dann finden nicht nur die Kommentarleser dorthin.
    Grüße aus der Neuen Schönholzer
    Maja Wiens

  2. thonik

    … da wurde unser liebes Museum wohl zur Ausstellungseröffnung wieder einmal aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Danke für den Beitrag und die Informationen, wir gehen auf jeden Fall hin, auch wenn (und gerade weil) die Internetpräsenz von Herrn Manns schon sehr lange in unserer Favoritenliste gespeichert ist. Wer sich weitergehend mit der Bebauungsgeschichte Pankows beschäftigen möchte hat dafür nämlich gar nicht so viele Quellen zur Verfügung.

  3. Karin Manns

    Danke, Herr Kamrad. Ein lesenswerter Artikel. Eine winzige Richigstellung: In unserem nächtlichen Telefonat ging es nicht um die Anbahnung der Ausstellung, denn die öffentliche Präsentation einiger Objekte ist seit Jahren ein Herzenswunsch von Herrn Roder, sondern es ging darum, sehr kurzfristig einige Bilder für einen RBB-Film zur Verfügung zu stellen. Das ist auch geschehen und wir sind gespannt auf das „Bilderbuch Pankow“, das am Pfingstmontag um 18:40 Uhr im RBB zu sehen sein wird. Herzliche Grüße von Karin Manns

    1. Markus KamradMarkus Kamrad Post author

      Liebe Frau Manns,
      Danke für das Lob und den Hinweis. Ist korrigiert.

  4. krishan

    Liebe Frau Manns, die Postkarten machen den Beitrag im RBB besonders sehenswert!
    Ein schöner kleiner Film von Frau Sperlich. Auch als Pankower erfährt man da noch viel Neues. Vielen Dank für den wunderbaren Hinweis und Beitrag, Florakiez! Krishan Pankow

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