Bahn baut Lärmschutz nur für Altbauten

Von | 10. März 2016

Die ICE sind fast lautlos, aber die S-Bahnen summen, die Regionalzüge brummen und die nächtlichen Güterzüge durchqueren den Kiez rumpelnd und quietschend. Nun soll die Gegend rund um die Florastraße leiser werden. Die Deutsche Bahn wird die S- und Fernbahntrasse im Rahmen des freiwilligen Lärmsanierungsprogramms stellenweise mit neuen Lärmschutzwänden ausstatten. Wo das nicht genügt, sollen die betroffenen Wohnungen mit Lärmschutzfenstern nachgerüstet werden.

Was genau geplant ist, wurde am Dienstagabend auf einer Informationsveranstaltung des Bezirksamtes und der Bahn im Rathaus Pankow erläutert. Rund 50 Anwohner der Bahnstrecke Gesundbrunnen – Blankenburg waren gekommen, um sich die Ausführungen von Susanne Müller, DB Netz AG, und dem Schallschutz-Gutachter Torsten Olbrich anzuhören.

Folgende Lärmschutzwände sind im Florakiez geplant:

  • Dolomitenstraße bis Mühlenstraße: Stadtauswärts gesehen auf der rechten Seite neben der Fernbahn, 788 m lang, Wandhöhe 3 m über Schienen-Oberkante
  • Florastraße: Auf Höhe der Mühlenstraße, stadtauswärts gesehen links neben der S-Bahn, 238 m lang, Wandhöhe 3 m
  • Granitzstraße und Hadlichstraße, hinter dem S-Bahnhof Pankow auf beiden Seiten. Neben der Fernbahn, 598 m lang und 2 m hoch sowie links neben der S-Bahn 428 m lang und 3 m hoch
  • Weitere Wände im Verlauf der Strecke bis zum Bahnhof Blankenburg

Im Bereich des S-Bahnhofs Pankow können aus technischen Gründen keine Lärmschutzwände errichtet werden.

Präsentation im Ratssaal

Von den Maßnahmen profitieren in erster Linie Altbauten. Denn das Programm berücksichtigt nur Häuser, die vor 1990 und damit vor dem Inkrafttreten des Bundes-Immissionsschutzgesetzes gebaut oder genehmigt wurden. In Westdeutschland ist der Stichtag das Jahr 1974. Bei neueren Häusern, die in der Nähe von Bahntrassen oder Straßen gebaut wurden oder werden, muss sich der Bauherr um den Schallschutz kümmern. Im Florakiez lässt sich das an den Neubauten in der Brehmestraße und der Florapromenade erkennen. Sie liegen zwar unmittelbar an der Bahnlinie, bleiben aber unberücksichtigt. Auf dieser Seite der Trasse wird keine Schallschutzwand gebaut. Grundlage der Berechnungen war die Verkehrsprognose 2025, die von einem steigenden Bahnverkehr ausgeht.

Wo die Lärmschutzwände allein nicht genügen, können die Hausbesitzer Schallschutzfenster und gegebenenfalls Lüfter einbauen lassen. 75 % der Kosten übernimmt der Bund, das restliche Viertel müssen die Eigentümer tragen. Die betroffenen Hausbesitzer werden von der Bahn angeschrieben, danach erfolgt eine Begehung der Liegenschaft. Vorher darf kein Handwerker beauftragt werden.

Auf den Karten sind die Immobilien, bei denen die Werte trotz der Lärmschutzwände zu hoch sind, rot gekennzeichnet. Grün zeigt an, dass die Lärmbelastung im akzeptablen Bereich liegt. Ist ein Haus rot markiert, bedeutet das nicht, dass alle Wohnungen betroffen sind. Häufig sind es nur die oberen Stockwerke, die von Schallschutzwänden nur wenig oder gar nicht profitieren.

Der Baubeginn ist für das 4. Quartal 2017 vorgesehen, Mitte 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Insgesamt werden auf dem Abschnitt Gesundbrunnen – Blankenburg rund 6,5 Millionen Euro investiert. Hinzu kommen 170.000 Euro für Schallschutzmaßnahmen an Gebäuden. Während der Bauarbeiten wird es zu Unterbrechungen des Bahnverkehrs kommen. Teilweise muss auch nachts gearbeitet werden.

Hanno Hall
Hanno Hall

Lebt seit 1997 in Berlin und seit 2010 im Kiez. Verantwortet n-tv.de und die n-tv Apps. Interessiert sich für Baustellen, Flughäfen und Politik. Geht zu Fuß, fährt Rad, BVG und Auto.

10 Kommentare zu “Bahn baut Lärmschutz nur für Altbauten

  1. Malü

    Hallo Herr Hall,
    vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Da ich in der Florapromenade wohne, bin ich unmittelbar betroffen und sehr interessiert.
    Auf Karte 3 ist ein Ausschnitt einer Legende zu sehen. Wäre es möglich, auch diese noch hier zu veröffentlichen?
    Herzlichen Dank im Voraus!
    Best Grüße

    1. Hanno HallHanno Hall Post author

      Die Legende ist leider nicht komplett. Die grün markierten Fassaden liegen nach dem Bau der neuen Lärmschutzwände unter den Grenzwerten, die roten darüber. Dort muss dann mit passivem Lärmschutz (Fenster, Lüfter) nachgesteuert werden. Das muss aber nicht das ganze Haus betreffen, können auch nur einzelne Wohnungen/Stockwerke sein. Wo keine Farben sind, ist die Belastung jetzt schon niedriger bzw. die Häuer sind zu jung. Die dicken grünen Linien entlang der Schienen sind die neuen Lärmschutzwände. Wohnhäuser sind gelb, Nebengebäude rosa. Schallschutz gibt es nur für Wohnräume.

      1. MaLü

        Vielen Dank! Was bedeuten die hell- und dunkelgelben Kreise mit Zahlen darin?

  2. frau m.

    vielen dank für ihren bericht,
    wie ich sehe, wohne ich in dem ersten haus in der flora ab – mühlenstraße, das dann keine lärmschutzmauer erhält. bei uns ist es nachts durch die güterzüge unerträglich laut. wir haben zwar schallschutzfenster zur bahnseite, die reichen nachts aber nicht aus. werden die hausbesitzer im bahnhofsbereich alle dann durch die bahn angeschrieben, oder muss ich den hausbesitzer sicherheitshalber ansprechen? eine begehung finde ich in dem fall lustig, die müssten dann abends ab 22:00 uhr vorbeikommen 🙁
    beste grüße frau m.

    1. Hanno HallHanno Hall Post author

      Die Hausbesitzer werden von der Bahn angeschrieben und können (nicht müssen) dann an dem Programm teilnehmen. 75% der Kosten werden aus dem Sanierungsprogramm gezahlt, 25 % vom Hauseigentümer. Bei der Begehung geht es nicht um eine Lärmmessung, sondern um die Baumaßnahmen.

  3. anna

    Hallo,

    wir wohnen in einem Altbau in der Damerow, Höhe der Shell-Tankstelle.
    Wie sieht das da bei uns aus? Leider finde ich auf den Bildern uns nicht.

    Bei uns würden da eher die Schallschutzfenster Sinn machen, da wir recht weit oben wohnen.

    Wo kann ich da diesbezüglich Informationen her bekommen.

    danke vorab
    anna

  4. Bärbel Hron

    Liebe Leute,
    Leider bin ich bei der Veranstaltung in der Schule nicht mehr reingekommen. Hätte gern mal nachgefragt, wie das weitergehen soll: Mein Problem sind nicht die S-Bahnen. Von euch auch nicht, ich weiß, die nächtlichen Schrecken sind es. Aber meine Wohnung geht nur auf die Florastr. Und die Fenster kann ich auch nachts leider nicht öffnen, sonst bekäme ich auch den Lärm der nächtlichen Eisenbahnen mit.
    Die Florastr. im ersten Teil bis zur Mühlenstr. (von der S-Bahn aus) ist auch ohne Bahn unerträglich laut: Flugzeuge allenthalben, das Tatütata der Feuerwehr (die um die Ecke „wohnt“, die Buslinie, die immer vor der Kreuzung anhalten und abfahren muss, starker Berufsverkehr … tags und nachts – bis spät jedenfalls und schon früh.
    Eine Bewohnerin aus der Florastr. 35 a

  5. P. Paschke

    Sie wohnen in einer Großstadt, also was erwarten Sie?
    Die Bahn fährt in Pankow seit 1880. Zu DDR-Zeiten war der Personen- und Güterverkehr um ein Vielfaches höher, die Züge waren zudem lauter. Da viele Pankower zudem nicht auf ihr Auto verzichten wollen (allen voran die engagierten Neu-Anwohner), ist es auch klar, dass der PKW-Verkehr weiter zunimmt. Dazu trägt natürlich auch bei, dass Freiflächen und Schrebgergärten mit Betonklötzen zugepflastert werden, die Anwohnerzahl also steigt.
    Wenn Ihnen an mehr Lebensqualität in Form einer ruhigeren Umgebung, sauberer Luft und einer entspannteren Atmosphäre gelegen ist, sollten Sie sich also besser ein Wohung im Speckgürtel suchen.

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