Der Kita Blumenkinder wurde gekündigt

Von | 15. März 2018

Die Kita Blumenkinder

Aufregung im Kiez. Die Kita Blumenkinder an der Ecke Florastraße / Heynstraße hat die Kündigung bekommen. Ende Mai 2019 sollen die 25 Kinder und die sechs Betreuerinnen und Betreuer ihr zweites Zuhause räumen.

Was ist passiert? Die Kita ist seit 2004 Mieterin der 200 Quadratmeter großen Gewerbefläche. Der Vertrag lief ursprünglich über zweimal fünf Jahre. Seite 2014 wird er nur noch von Jahr zu Jahr verlängert. Der Vermieter, ein Augenarzt aus der Region, möchte die Miete anheben. Laut Kita war das Verhältnis zur Hausverwaltung und zum Vermieter entspannt und es hat keinen Streit gegeben. Obwohl man eine gestaffelte Vervielfachung der Miete und Investitionen in das Ladenlokal angeboten habe, seien die Verhandlungen erfolglos gewesen. Kurz vor einer Einigung habe der Vermieter mit „horrenden“ Forderungen überrascht und dann als Reaktion auf die fruchtlosen Gespräche die Kündigung ausgesprochen.

Jetzt gehen die Eltern auf die Barrikaden. Sie wandten sich an die Presse und starteten eine Online-Petition.

Der Vermieter sieht die Sache anders. Er habe die Miete von 6 Euro kalt kein einziges Mal erhöht, erklärte er gegenüber florakiez. Damit bewege sich die Miete „weit unterhalb der Kostendeckungsgrenze“. Die Kita habe in den Vertragsverhandlungen „wenig Engagement und Ernsthaftigkeit erkennen lassen“. Um das Gebäude instand zu halten, sei er auf die Einnahmen aus den Gewerbeflächen angewiesen. Denn Milieuschutz und Mietpreisbremse für die Wohnungen im Haus kämen einer „Teilenteignung“ nahe. „Um dieses betagte Objekt für die Zukunft zu erhalten und ggf. auch der Kita weiterhin in einwandfreiem Zustand zur Verfügung stellen zu können, sind erhebliche Investitionen erforderlich, die bezahlt werden müssen“, so der Vermieter.

Der Kita liege ein maßvolles – unverhandelbares – Mietvertragsangebot vor, das im Zuge der Kündigung erneuert worden sei. Der vorgeschlagene Mietpreis liege weit unterhalb der in der Florastraße erzielbaren Gewerbemieten. Eine Antwort darauf habe er bis heute nicht erhalten. Sollte in irgendeiner Form mit Pressemitteilungen oder -anfragen weiter versucht werden, Druck auf ihn auszuüben, werde es keine weiteren Verhandlungen geben. Falls weiter gesprochen werde, dann nur vertraulich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das klingt nach einer sehr verfahrenen Situation mit einem Fünkchen Resthoffnung für die Kita.

Die Innenräume

23 Kommentare zu “Der Kita Blumenkinder wurde gekündigt

  1. Hans

    Vielleicht sollte die Kita ihre aktuellen Mietdaten mal offenlegen damit man sich ein objektives Bild machen kann. Es gehören immer zwei Seiten zu einer Medaille.

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    1. NennenwirIhnTom

      Gute Idee. 6€ kalt ist wirklich lächerlich, sollte es so sein.

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      1. Hans

        1200 Euro – lächerlich – Selbstkostenbeitrag auf 100 Euro pro Monat / Kind und der Laden läuft weiter

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  2. Hans

    Einfach mal an Frau Sandra Scheeres wenden. Die Senatorin kümmert sich bestimmt „gerne“ um diese Kita.

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    1. Hans

      Wie hoch ist oder wäre der Zusatzbeitrag? Kenne Einrichtungen wo unter 50 Euro überhaupt nix läuft.

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    2. Max Müller

      der Florakiez ist aber (noch) nicht Mitte und nicht Neukölln.

      Wenn er 12.50 Euro haben will könnte das eventuell lange dauern, am Anfang der Florastr. stehen seit über nem Jahr Läden leer, der eine will 12 Euro pro qm, der andere 16.

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    3. Hanno HallHanno Hall Post author

      Die genannten 6 Euro kalt dürften 9 Euro warm entsprechen. Vergleichsmaßstab sind immer Kaltmieten.

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    1. Hans

      Danke – Wäre auch mein Vorschlag gewesen. Wären bei 25 Kinder glatte 2500 Euro um Mietsteigerungen abzufedern. Die Gegenrechnung wären nun qualifizierte Tagesmütter mit ihren Stundensätzen pro Kind als Ersatz für den eventuellen Wegfall der Einrichtung ab Mai 2019 bei privater Organisation der Betreuung. Mit all diesen Zahlen (Kita- Vermieter – Tagesmütter usw.) das Gespräch beim zuständigen Stadtrat suchen.

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  3. Kiezmensch

    Der Betrag sollte bei 100€ Zusatzkosten plus 23€ Verpflegung liegen. Dieser Betrag soll aber nur Essen, Personal und Zusatzangebote abdecken, nicht steigende Mietkosten ( laut Träger).
    Leider können gerade bei 2 oder 3 Kindern nicht alle Eltern diesen Betrag aufbringen. Sollen sie die Kita daher verlassen, weil sie zu „arm“ für den Florakiez geworden sind? Das kann nicht die Lösung sein.

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    1. Hans

      Kenne das Problem aus eigener Erfahrung halt nur bei einer anderen Einrichtung. Dort lief der Zusatzbeitrag unter dem Stichwort – „Solidarbeitrag“ in Höhe von 60 Euro. Das Essengeld war natürlich extra und auch dort gab es Eltern für die 60 Euro im Monat extra zu viel waren. Manche Eltern zahlten dann halt etwas mehr. Dies ist nicht immer die Lösung aber so kann’s vielleicht auch gehen …

      … und ja die Mischung in den Kiezen verändert sich und davon sind auch die Kinder betroffen.

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  4. Kiezmensch

    Päd. Angebote und gutes Essen nur für die, die privat dazuzahlen und es sich leisten können?! Oder sollen alle zusätzlichen päd. Angebote wegfallen und alles auf ein Betreuungsminimum heruntergefahren werden, nur um damit die Mietkosten zu decken? Ich frage mich, wo das in Kitas und Schulen noch hingehen soll mit der Bildungspolitik und im Kiez mit den Mieten? Eine „gesunde“ Kiezmischung mit allen Schichten gibt es hier doch fast gar nicht mehr…

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  5. Klaus Meier

    Gibt inzwischen ja eine Reihe von Medien, die über den Vorgang berichten. Dabei hat sich offenbar auch der Eigentümer eingelassen, dass er für seinen Gewerberaum einen „ortsüblicheren“ Mietzins fordern könne. Das glauben offenbar auch einige andere Eigentümer, wenn man in die Florastraße und in einige Seitenstraßen schaut. Mit der Konsequenz gehörigen Gewerberaumleerstandes.

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  6. Blümchen

    In fast allen anderen Bundesländern müssen die Eltern bei jedem Kind sehr hohe Kitagebühren bezahlen, so auch im Nachbarbundesland Brandenburg. Dass Eltern hier in Berlin außer 23 EUR Essengeld nichts zuzahlen müssen, aber trotzdem ständig eine Steigerung der Qualität erwarten und bei noch so kleinen monatlichen Zusatzbeiträgen (bei uns waren es nur 5 EUR monatlich für kleine Geschenke oder Bastelmaterial) rumdiskutieren oder man als Kassenwart ewig dem Geld hinterherrennt, dafür habe ich absolut kein Verständnis. Die gegenwärtige Luxussituation wird nun etwas aufgeweicht und alle jammern rum. Dann muss sich eben eine andere Kita gesucht werden, Zeit genug bleibt ja noch…

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  7. Kiezmensch

    Brandenburg ist gerade dabei die Kitakosten abzuschaffen, falls Sie das mitbekommen haben sollten?!
    Ich erwarte nicht eine Steigerung der Qualität. Ich erwarte nur, dass bei einer solchen Zusatzzahlung, die ich momentan freiwillig leiste, alles beim Alten bleiben kann und sich nicht drastisch verschlechtert, weil das Geld vom Träger nur noch für die Miete ausgegeben wird!
    Danke für Tipps und Ratschläge!
    Und bitte, wenn Sie Lust haben, wehrtes Blümchen, mir neben meinem Vollzeitjob und meinen zwei Kindern einen neuen Kitaplatz zu besorgen, dann immer gerne doch. Sie scheinen das ja auf die „leichte Schulter“ nehmen zu können.

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    1. Blümchen

      Abgeschafft sind die Gebühren in Brandenburg noch nicht, und soweit ich weiß galt dass auch nicht ab dem 1 Kitajahr. Aber selbst wenn es in Brandenburg dazu kommt, dann bleiben noch genüg andere Bundesländer wo die Eltern schon lange mit hohen Gebühren zu kämpfen haben und es auch irgendwie schaffen. Ist ja toll dass Sie freiwillig einen Zusatzbeitrag leisten, damit Ihre 2 Kinder ansonsten mehr oder wenig kostenfrei ganztags betreut sind. Alles soll immer kostenlos sein, so funktioniert das aber nicht. Kein Wunder warum es so einen Erziehermangel gibt, da offensichtlich niemand was für dieses Leistung bezahlen will. Ich hätte gerne mehr gezahlt damals und habe unsere Kita oft durch Spenden unterstützt. Der Mietanstieg ist natürlich Pech für die Kita, aber auf dem freien Markt nicht ungewöhnlich.

      Und der Vermieter kann nun wirklich mit seinem Eigentum machen was er will, er ist nicht zur Daseinsfürsorge verpflichtet. Wenn der Laden dann eben leer steht wäre das schade für den Kiez und auch blöd für den Vermieter, aber das ist nicht seine Aufgabe für Kitaplätze zu sorgen.

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  8. Kiezmensch

    Und zum Thema Gehälter in Berlin. Und anderswo: Haben Sie sich schon mal ein paar Gehaltsstatistiken einzelner Berufe der Bundesländer im Vergleich angesehen?! Das sagt wohl Einiges.

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    1. NennenwirIhnTom

      Statistiken einzelner Berufe……wenn ich mir ansehe was in Pankow umhersteht und fährt, welche Preise für Mietwohnungen oder Eigentum bezahlt werden, kann es hier, vom Gehalt, nicht so schlecht sein.
      Aber es ist wie es ist, gejammert wird immer und 100€ mehr im Monat für das eigene Kind sollte nicht zu viel sein.
      Man müsste vielleicht auf das neuste 800€ Handy verzichten oder sich statt einem Q7 eben einen Q5 kaufen, aber das sieht nach außen wieder doof aus.

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  9. Kenny

    @Blümchen, sie haben völlig recht, sehen das realistisch und sachlich. Meinen Respekt dafür!
    Kausale Zusammenhänge neutral zu sehen kann leider nicht jeder, vor allem dann nicht wenns – wer hätte es erwartet – um den eigenen Geldbeutel geht.
    Hier wurden, wie übrigens anderswo auch, durch Verprechungen und Niedrigzinspolitik, Träume geschaffen die ganz besonders junge Familien anziehen sollten.

    Man hat sich entspannt mit „Beratern“ hingesetzt oder den eigenen Tascchenrechner und großartige Excel-Tabellen bemüht um festzustellen das der eigene Plan aufgeht oder vielleicht könnte.

    Der „Wirt“ (in diesem Fall der Vermieter) sieht das halt aus seiner Situation. Ständig neue EU-Verordnungen, Landesgesetze usw. sind auch für den Vermieter verpflichtend umzusetzen.
    Da geht es u.a. um Modernisierungszwänge durch die ENEV, Energieausweise usw. – würde jetzt jedoch viel zu weit führen.

    Zudem haben sich Primärenergiekosten in den vergangen 15 Jahre durchschnittlich für den Endverbraucher verdoppelt, also die wesentlichen Betriebskosten letztendlich.
    Das wir uns seit längerer Zeit praktisch in einer Zwangsenteigung unserer Sparvermögen, unserer schleichend weniger werdenden realen „Kaufkraft“ befinden, geht an vielen Menschen vorbei, weil es ja gerade oder noch oki ist.

    10,- oder gar 50,- € mehr sind da schon „viel“ im Monat für unsere Zukunft = Kinder?!
    Nunja, ein sozialistisches Utopia wie sich die EU derzeitig darstellt, aber permanent positiv in unseren sogenannten „Qualitätsmedien“ hervorgehoben wird, kann es nicht geben.
    Es gibt immer genau zwei Seiten einer Medaille. Auch beim Kita-Vermieterverhältnis ist es so.

    Den Vorteil hat derjenige der beide Seiten als einzelner grundsätzlich versteht, dazu überhaupt bereit ist und sein eigenes Ego dabei ausblendet. Am Ende kann das Ergebnis jedoch nicht sein „Einer Trage des anderen Last“.
    Wahre Kommunikation und Win-win ist hier das Zauberwort!

    LG Kenny

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  10. Susann

    Die Zusatzbeiträge hat der Träger bereits vor einem halben Jahr von 30 auf 120€ erhöht und dies u.a. mit der steigenden Miete begründet. Der Träger minikitas hat sich in den letzten Monaten von 3 auf 6 Kitas vergrößert und begründet die Erhöhung der Elternbeiträge damit, dass die Mieten steigen und das Geld knapp wird beim Träger…. Da wirkt es mit Verlaub etwas scheinheilig, wenn der Vermieter dazu aufgefordert wird, sich sozial zu verhalten… Als ob es nicht jedem der Beteiligten hier um Gewinnoptimierung ginge. tzz-tzz

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