Woodstock, Wacken, Wilde 13

Von | 1. Juni 2018

Am 08. und 09. Juni verwandelt sich der Florakiez in eine wüste Mischung aus Woodstock und Wacken. Die Görschstraße wird für das Open Air Festival „Wilde 13“ teilweise gesperrt.
Zwischen JUP und Gymnasium wird es eine große Bühne geben, auf der zwei Tag lang regionale Bands ein buntes Programm bieten. Einige Stände und diverse After-Show-Events runden das Partywochenende ab. Florakiez sprach mit Mit-Initiator Andreas Gerts.

Andreas Gerts (Foto: privat)

Florakiez: Was erwartet uns bei der Wilden 13?

Andreas Gerts: 12 Bands, mit einer großen Bandbreite zwischen Elektro-Pop, Rock und Singer Songwriter. Jede Band hat gleichberechtigt 45 Minuten. Der Eintritt ist frei, wobei wir uns über Spenden sehr freuen. Denn obwohl die Bands alle ohne Gage antreten und wir Sponsoren gewinnen konnten, müssen wir doch einiges an Kosten refinanzieren. Alleine die behördlichen Gebühren sind nicht ohne. Das liegt vor allem daran, dass wir die Görschstraße vor dem Gymnasium absperren. Dazu gibt es dann noch Getränke, Essen und einige weitere Stände. Den Bierstand betreibt beispielsweise die Eiche. Süßes gibt es vom Kuchenwerk und dem Café Florentiner und die „After Thoughts“ kann man sich in der Bar nordwärts machen.

Also alles aus dem Kiez?

Nahezu. Der Eiswagen kommt aus dem Prenzlauer Berg. Aber das ist ja nicht so weit weg. Und er ist einfach großartig.

Und das künstlerische Konzept?

Das ist voll regional. Wir hatten einen Förderantrag beim Senat gestellt, der wurde leider abgelehnt. Deshalb konnten wir keine Gagen bieten. Trotzdem haben sich mehr als genug Bands bereiterklärt, auch ohne Gage aufzutreten. Die sagen, wir brauchen Bier, Bratwürste und eine Anlage. Das können wir bieten. Auch aus anderen Bundesländern wie etwa Schleswig-Holstein hatten wir Interessenten. Die werden dann beim Unpluggedival auftreten, was wir für den Herbst erneut planen. Musikalisch gilt eigentlich nur die Einschränkung, dass allzu heftige Schlagzeuge mit Rücksicht auf die Anwohner und Besucher mit kleinen Kindern nicht sein sollen. Aber das kann man gut einrichten.

Wie kam es zu der Idee ein eigenes Musikfestival für den Florakiez hochzuziehen?

Entstanden ist sie 2015 als wir die Bühne für das Florakiezfest auf der Dusekestraße organisierten. Das war einerseits eine super Sache, andererseits sprengte sie aber teilweise auch den Rahmen Kiezfest. Es gab etwa Beschwerden, dass wir das Fest damit einseitig auf die Ecke Duskestraße ausrichten würden. Das erste Unpluggedival 2017, bei dem Künstler unplugged in diversen Läden im Kiez auftraten, war dann unser Probelauf. Dort hatten wir insgesamt etwa 700 Besucher. Als wir jetzt genug Unterstützer zusammen hatten, haben wir uns an die Wilde 13 gewagt. Insgesamt haben wir 30 ehrenamtliche Helfer zwischen 14 und 60, die man an den Wilde 13-T-Shirts erkennen wird.

Wieso eigentlich Wilde 13, wo es doch 12 Bands sind?

Dass die Zahl der Bands fast 13 ist, ist Zufall. Die 13 steht für den Kiez. 13(187).

Und auf welchen Act freuen Sie sich beim Festival am meisten?

Ich bin sehr gespannt auf das Ukulele Orchester Pankow. Eine Ukulele auf der Bühne kennt man ja. Aber ein ganze Orchester nur mit Ukulelen ist schon sehr besonders. Und ich freue mich, dass auch ich mit der Band Tonopol mitwirken darf. Deren Sound ist angelehnt an die 90er, so ein bisschen in der Tradition von New Model Army.

Open Air Festival Wilde 13
wilde-13-festival.de
08. und 09. Juni
Görschstraße, Ecke Florastraße

17 Kommentare zu “Woodstock, Wacken, Wilde 13

  1. Ellen

    Leider wird das mit ziemlicher Lärmbelästigung, Müll und Stress für die Anwohner verbunden sein. Muss so etwas unbedingt in der Stadt bei enger Bebauung gemacht werden, vor allem abends?

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    1. Max Müller

      Jaaaa … raus aufs Land mit BerlinMarathon, Loveparade_nachfolger, Sternfahrten, Demos, Karneval der Kulturen etc. pp.

      Dann haben die Landbewohner auch mal etwas Abwechslung.

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  2. Gerd

    Warum nicht einfach mal freuen, wenn jemand ein solches Format für jung und alt auf die Beine stellt, liebe Ellen?

    Offensichtlich geht es leider nicht ohne Reichsbedenkenträger.

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      1. Gerd

        Liebe Mareike,

        ich bin davon ausgegangen, dass der Begriff allgemein bekannt ist. Zu deiner Information hier die Definition:

        Reichsbedenkenträger: Mensch, der stets eine Fülle von schweren Bedenken parat hat, egal um was es sich handelt. Ein Zögerer und Zauderer, mit dem man garantiert nichts ohne lange Diskussionen und Überzeugungsarbeit hinkriegt.

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        1. Blümchen

          Es ist klug und weise, an allem zu Zweifeln. Das wusste schon Voltaire. Also bitte Skepsis nicht per se schlecht machen.

          Ich freue mich aufs Festival und bin schon sehr gespannt. Aber nicht jeder mag Festivals an sich oder im Wohngebiet, es ist zu einfach über die Bedenkenträger hinwegzufegen. Mal anschauen und danach eine Meinung bilden.

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        2. Mareike Müller

          Ja, so ist das mit den Vorannahmen und Vorurteilen und Überzeugungen, sie stimmen nur für einen selbst wirklich und sagen auch nur etwas über denjenigen aus, der sich solchermaßen produziert. Leider ist es kommunikationswissenschaftlich so, dass der Empfänger die Botschaft bestimmt und deshalb mache ich mir mal die Mühe, erneut zu insistieren: Folgendes habe ich verstanden: Ihre Ausführungen beinhalten IHRE Definition eines Menschen, der Bedenken trägt. Aber was hat das jetzt mit dem Reich auf sich? Reich wie arm? Oder Reich wie Land? Oder Reich wie Nazi? Oder nutzten Sie dieses Wort als so ein diffamierendes Totschlagargument, um sich selbst jedweder Diskussion zu entziehen? Sind Sie also vielleicht selbst jemand, „mit dem man nichts ohne lange Diskussionen und Überzeugungsarbeit hinkriegt“ oder jedenfalls nur so lange, wie der andere der genau gleichen Meinung ist wie Sie? Weil: Balken und Splitter und Auge … Aber die Botschaft können Sie nun wieder selbst bestimmen. Viel Spaß dabei.

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  3. Uwe K.

    Lieber Herr Kamrad,
    eine Sache, hier ein Festival, „hochziehen“, das ist, so hat es Victor Klemperer nachgewiesen, LTE (Lingua Tertia Impera), also Bestandteil des Nazideutschs während des Dritten Reichs. Hier ist sprachliche Sensibilität angebracht.

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    1. Markus KamradMarkus Kamrad Post author

      Lieber Uwe K. Leider erschließt sich mir die Problematik des Begriffs und der Verwendung in diesem Kontext nicht. Auch eine, zugegebenermaßen kurze, Suche im Internet hat mich nicht weiter gebracht. Wenn Sie mir mehr Informationen geben, gucke ich mir die gerne an. Vielleicht lerne ich ja was für die Zukunft.

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    2. Max Müller

      > Uwe

      Hmmmm die Nazis haben überhaupt ziemlich viel deutsche Worter benutzt, man könnte sogar sagen ausschliesslich.

      Eigentlich geht das ja gar nicht dass wir noch deutsche Wörter benutzen.

      Autobahn geht erstmal gar nicht.

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    3. H. Thernoth

      LTI. Exzellentes Buch. Sehr lehrreich.
      Werde später dem „hochziehen“ nachgehen und ggf. an dieser Stelle berichten.

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    4. H Thernoth

      LTI – exzellentes Buch. Sehr zu empfehlen. Sehr.
      Habe nochmal durchgeblättert und nach „hochziehen“ gesucht. Ohne fündig zu werden. Uwe K. meint eventuell das Kapitel VII „Aufziehen“ (nicht das Stärkste), in dem Klemperer analysiert wie die Nationalsozialisten das Verb umdeuten und vereinnahmen – und zwar tatsächlich etwa in dem Sinn, in dem Hr. Kamrad oben „hochziehen“ benutzt. Zitiert wird eine Rede Goebbels‘ vom 30.6.33, in der er erklärt, die NSDAP habe eine „Riesenorganisation … aufgezogen“.
      Allerdings bleibt die Beleglage ansonsten dünn und das Beispiel „aufziehen“ ist m.E. weniger überzeugend als viele andere in diesem Buch.
      (Statt „hochziehen“ hätte Hr. Kamrad z.B. „aus der Taufe heben“ oder „ins Leben rufen“ benutzen können.)

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      1. Markus KamradMarkus Kamrad Post author

        Mit „aus der Taufe heben“, könnte ich als guter Katholik natürlich auch sehr gut leben Aber das gibt nachher wieder Stress mit den Gottlosen (-: Im Ernst: Danke für die Mühe. „Hochziehen“ bleibt und LTI kommt auf meine Leseliste.

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  4. Gerd

    Teile deinen Beitrag, Blümchen. Mir ging es nur darum, dass man nicht von vornherein alles schlechtreden sollte.

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  5. Anwohner

    Ist der Mensch nicht ausgelastet? Reicht die merkwürdige Kommerzshow der Gewerbetreibenden in der Florastraße am Ende der Schulferien nicht, die 2018 zum zehnten Mal die Eroberung des Florakiezes durch die Zugezogenen abfeiert?

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  6. Peter Pan

    Liebe Ellen, den meisten Lärm und den größten Stress und den meisten Dreck in der Stadt und auch bei uns im Kiez machen Autos. Wenn ich es richtig gelesen habe ist die Görschstrasse für das Festival gesperrt für Autos. Und offen für uns, die wir da wohnen. Für immerhin ein paar Stunden im Jahr. Und für Musik. Ich finde das grossartig von den Initiatoren und werde hingehen. Ich freue mich, fast vor meiner Haustür gleich zweimal hintereinander ausgehen zu können! Und dafür nehme ich es gerne in Kauf, dass im Kiez mal was anderes los ist. Viele Grüße von einem „Alt-Eingesessenen“ Kiezmenschen

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