Lieber Heckenschere als Hashtag

Von | 4. Juni 2018

Steht es wirklich so schlimm um unseren Bürgerpark? Der Tagesspiegel hat jüngst eine „Abwärtsspirale“ diagnostiziert, müssen wir Pankower nun in Angst und Schrecken leben, fragen wir uns. Christian Friedrich, Vorsitzender des Vereins Bürgerpark Pankow antwortet und erklärt auch, warum das Wasser im Brunnen plötzlich grün leuchtet.

Christian Friedrich im Bürgerpark

Florakiez: Herr Friedrich, was sagen Sie zum Tagesspiegel-Artikel?

Christian Friedrich: Ich finde es gut, dass auf Missstände hingewiesen wird. Die exisitieren vor allem im Randbereich, im Übergang zum Wedding oder im Bahnbereich. Auch am Wochenende gab es wieder Vandalismus von Jugendlichen, auch das ist problematisch. Wichtig finde ich jedoch auch, dass darüber gesprochen wird, was in den letzten Jahren im Bürgerpark erreicht wurde.

Das wäre?

Unsere Vereinsmitglieder haben sich eingebracht, Beete angelegt, Beete gepflegt, Müll gesammelt, das darf nicht vergessen werden. Unsere rund 30 Mitglieder arbeiten nach dem Motto „Machen statt motzen“. Wir sehen, dass vieles besser werden könnte, aber auch, dass schon vieles besser geworden ist.

Hier hat der Verein Bürgerpark Pankow gegärtnert

Und was denken Sie als Vorsitzender des Vereins Bürgerpark Pankow wenn Sie das Wort „Abwärtsspirale“ hören?

Ich denke, dass man die Lage differenzierter sehen muss. Die Probleme wie Dealer, Vandalismus und Einbrüche in der Nachbarschaft wurden ja sehr anschaulich geschildert und gut ist, dass diese Dinge angesprochen werden, bevor sie zu weiteren Problemen führen. Aber insgesamt gibt es doch auch viele positive Entwicklungen. Man kann auf jeden Fall seine Kinder im Park spielen lassen und es gibt eine Masse an Leuten, die sich im Park erholen. Da machen wir uns auch Sorgen, dass die Grünflächen im Park übernutzt werden und versteppen. Es gibt ja gleich nebenan auch die Schönholzer Heide, die könnte noch mehr genutzt werden.

Was macht Ihr Verein genau?

Wir organisieren schon seit Jahren regelmäßig einen Frühjahrs- und Sommerputz, der Bürgermeister Sören Benn (Die Linke) hat selbst mitgemacht, nun pflegt eine Gruppe von uns auch regelmäßig die Beete im Rosengarten. Wir haben Wege und Treppen von Unkraut befreit. Beim nächsten Sommerputz möchten wir am südlichen Ende des Parks das Unterholz so zurück schneiden, dass eben die Dealer, die es tatsächlich gibt, kein Versteck für sich und ihre Ware finden.

Offiziell ist ja das Grünflächenamt für den Park verantwortlich. Sehen die es denn gerne, wenn Sie hier einfach machen und tun?

Wir arbeiten eng mit dem Grünflachenamt zusammen, das klappt eigentlich sehr gut und freundschaftlich. Gerade haben sie einen großen Müllcontainer aufgestellt, auf den wir gepocht haben. Seitdem liegt definitiv weniger Abfall im Park herum, das ist doch positiv. Als wir Staudenspenden bekommen haben, ist der zuständige Mitarbeiter sogar in seiner Freizeit vorbei gekommen, um uns beim Pflanzen zu helfen und zu erklären, welche Blume wohin muss.

Der neue Container

Da fragt man sich ja auch, weshalb tun Sie das? Was ist Ihre Motivation für Ihr Engagement?

Ich finde, die Gesellschaft spaltet sich, die einen motzen und bevor ich mich in irgendwelchen Foren rumtreibe und Unfug schreibe, kann ich doch mal eine Heckenschere in die Hand nehmen und etwas machen.

Und was planen Sie als nächstes?

Bald kommt der Sommerputz und wer will, kann sich bei info@bürgerpark.berlin melden und mitmachen. Beim nächtlichen Vandalismus von Jugendlichen zum Beispiel geht unser Verein jetzt auf verschiedene Schulen zu, um schon den Kindern zu zeigen, was der Park für eine Bedeutung hat. Wir wollen Lösungen schaffen und keine Probleme.

Was ist jetzt das dringendste Problem im Bürgerpark?

Das sind gerade nicht die Dealer oder die Pflanzen, sondern der Brunnen. In der Nacht von Freitag auf Samstag hat irgendjemand grüne Farbe ins Wasser gemischt, die im Dunkeln leutet. Eine Chemikerin aus dem Verein, Marianne Glaser, hat das Zeug als Fluerescein erkannt. Nun muss das Wasser im Brunnen ausgetauscht werden. Die Aktion ist zwar ganz witzig, verursacht dem Bezirk aber trotzdem einige Reinigungskosten.

Nachts leuchtet es sogar grün: Das Wasser im Brunnen

 

13 Kommentare zu “Lieber Heckenschere als Hashtag

  1. André

    Der leuchtende Brunnen gefällt mir besser als der schlamm-grün-braune.
    Vielen Dank jedenfalls denen, die sich so engagiert um den Park kümmern.

  2. Hans

    Was stört am grünen Wasser genau das es vom Bezirk ausgetauscht werden muss?

  3. Alfred Bröckel

    Was mich wundert, ist, dass die offenen Mülleimer im Park nicht ausgetauscht werden. Jeden Morgen sind deren gesammelte Inhalte von Krähen über die Wiesen verteilt. Die armen Räumkommandos müssen dann mühsam alles wieder einsammeln. Das geht schon seit Ewigkeiten so. Aber vielleicht hat der Unsinn gar Sinn. Vieleicht ist das eine gut gemeinte- wenn such sinnlise – Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unserer Bezirksregierung?

  4. Anwohner

    Wieso kümmert sich der Verein um die Beete beim Café Rosenstein? Ist das Teil des Profitkonzepts des neuen Pächters Gehrmann für das inzwischen nur noch billig wirkende Parkcafé nach dem fragwürdigen Pächterwechsel vor einem Monat? Der Park ist groß genug, um der Natur hinterher zu pflegen.

    1. Blümchen

      Ja das Café ist jetzt qualitativ deutlich schlechter, vor allem das Eis ungenießbar und die Bedienung überfordert. Laut Tagesspiegel gab es bei der Vergabe des neuen Pächters ja auch ein Geklüngel wie im Bilderbuch, beteiligt war angeblich der grüne Herr Kühn. Wie ist das eigentlich ausgegangen?

  5. Poltergeist im Bürgerpark!

    Blümchen: Der grüne Herr Kühn ist eigentlich CDU Bezirksstadtrat Torsten Kühne.

    1. Blümchen

      Haha, ja siehst du mal, die sind wohl alle so austauschbar, da kommt man leicht mal durcheinander….irgend ein Bezirkspolitiker hat jedenfalls angeblich laut Tagesspiegel Artikel den Pachtvertrag ein den neuen, mit ihm befreundeten Pächter, vergeben. Sollte das wirklich der Fall sein, dann müsste man das viel härter bestrafen als bisher.

  6. Mad

    Man könnte auch mal die Infrastruktur um den Park herum auf die gestiegenen Besucherzahlen anpassen. Ein paar zusätzliche Mülleimer zum Beispiel. Nach jedem Sonnentag türmen sich vor der Mirabelle oder an der Kreuzstraße die Hundekotbeutel und sonstiger Abfall. Es ist gar nicht so, dass die Leute den Unrat dort achtlos wegwerfen. Vielmehr haben sie nach 300 Metern halt keine Lust mehr, die Bananenschale der Kids oder den Hundebeutel mitzuschleppen. Die Gehwege um den Park herum sind auch eine Zumutung. Gerade für die Bewohner der zahlreichen Altenheime kaum zu benutzen. Sonst, Hut ab für die, die sich dort in ihrer Freizeit einbringen und Danke!

    1. Pankow

      Gestern in der Bezirksverordnetenversammlung auf Antrag von SPD und CDU beschlossen:

      Das Bezirksamt Pankow von Berlin wird ersucht zeitnahe ein Programm zu erarbeiten, in dem dargestellt wird, wie alle Parks und Plätze dauerhaft sauber gehalten werden. Das Programm soll mit der BVV abgestimmt und schnellstmöglich umgesetzt werden.

      Besonders zu beachten ist bei der Planung einen ganzheitlichen Ansatz zu finden. Dabei sollen Müllvermeidung, Müllbeseitigung, Aufklärung und Ansprache für und an die Pankowerinnen und Pankower und Kontrollen gemeinsam geplant und umgesetzt werden.

      Die Planung soll eine mögliche Kooperation mit der BSR und den zuständigen Senatsverwaltungen enthalten.

      Begründung:

      Pankow wächst! Mit einer zunehmenden Bevölkerungszahl werden auch die vorhandenen Freizeitflächen im Bezirk stärker in Anspruch genommen. Besonders in den wärmeren Monaten sind davon Grünflächen, Parks und Plätze betroffen.

      Seit vielen Jahren entwickelt sich die Müllentsorgung in den Pankower Parks zu einem zunehmenden Problem. Knappe Kassen, eine dünne Personaldecke und eine stärkere Nutzung der Parks und Grünanlagen verschärfen das Problem von Jahr zu Jahr.

      Dass dieses Problem bekannt ist zeigen die Anträge Vlll-0222, Vlll-0451, Vll-0453 zu Einzelfällen alleine aus der aktuellen Legislatur und 6 weitere Anträge zu Einzelfällen aus der Vll. Legislatur der BVV-Pankow, in denen eine mangelnde Sauberhaltung von Parks und Plätzen thematisiert wurde.

      Bis dato zeigen alle bisherigen Einzelmaßnahmen, die meist ausschließlich die Müllentsorgung thematisiert haben, geringen Erfolg. Außerdem können punktuelle örtliche Maßnahmen nicht zu einer bezirksweiten Verbesserung führen.

      Für den Bezirk Pankow muss daher ein ganzheitlicher Ansatz erarbeitet werden, der nicht ausschließlich auf die Müllbeseitigung zielt, sondern zusätzlich die Müllvermeidung bedenkt. Auch eine persönliche Ansprache der Bevölkerung, über eine Politik des erhobenen Zeigefingers hinaus, ist nötig, um die Pankowerinnen und Pankower aller Altersgruppen zu sensibilisieren.

  7. Hans

    Knappe Kassen — Blödsinn – Geld ist genug vorhanden – Wird halt nur falsch verwendet

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