In 5 Jahren parken hier ICEs

Von | 28. Februar 2021

Wenn man die Straße „Am Bürgerpark“ Richtung Schönholzer Heide entlangläuft, sieht man viel grün: rechts Bürgerpark und Friedhof, links Kinderbauernhof Pinke-Panke, ein vereinzeltes Haus und ansonsten grüne Brache. Das soll so bleiben, auch wenn dahinter in den nächsten Jahren Großes entsteht. Die Deutsche Bahn plant auf dem Gelände zwischen Kinderbauernhof und Jugendverkehrsschule eine Abstellanlage für IC und ICE Züge – entlang der Gleise, gefühlt in Pankow.  Tatsächlich gehört das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Schönholz aber zu Reinickendorf, denn die Mauer verlief entlang der Straße „Am Bürgerpark“ und der Schützenstraße.

Quelle: DB Fernverkehr AG

Der Senat hat das Vorhaben für die „Abstellanlage Schönholz“ erstmals im Oktober 2020 bekannt gegeben. Seit dem laufen die Planungen. Laut einem Entwurf der DB Fernverkehr vom 25. Januar 2021, der florakiez.de vorliegt, sollen hier acht Gleise entstehen, auf denen IC und ICE Züge gereinigt, gewartet und zwischengeparkt werden. Wichtig für die Entscheidung für Schönholz war demnach, dass die Anlage nur drei Kilometer vom Bahnhof Gesundbrunnen entfernt liegt, der Start- und Endpunkt mehrerer Linien ist. So will die Deutsche Bahn Züge schneller bereitstellen können und gleichzeitig das ICE-Werk in Rummelsburg entlasten. Ein zweites Streckengleis soll dafür wiederhergestellt werden. Ein Anschluss der Heidekrautbahn von Wilhelmsruh nach Gesundbrunnen wird zwar mitgedacht, ist aber ein „separates Vorhaben im Programm i2030 der Länder Berlin und Brandenburg, des VBB, der NEB und der DB“, wie ein Bahnsprecher florakiez.de mitteilte. Näheres könne dazu noch nicht gesagt werden.

Wie groß sind die Auswirkungen?

Das Bahngelände liegt im Landschaftsschutzgebiet, zu dem auch die Schönholzer Heide und der Bürgerpark gehören. Darauf werde Rücksicht genommen, betroffen sei aber nur 1 Prozent der Fläche des Landschaftsschutzgebietes. Das Gelände des Kinderbauernhofs Pinke-Panke bleibt unberührt, genauso wie der Mauerweg und die Reste der ehemaligen Mauer. Auch der Grünbereich zur Straße Am Bürgerpark soll „weitestgehend“ erhalten bleiben. Derzeit werde geprüft, wie die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände genutzt werden können.  Die Zufahrt für den Auto- und LKW-Verkehr erfolgt über die Buddestraße. 20 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Quelle: DB Fernverkehr AG

Aber es wird eindeutig lauter. 30 Ein- und Ausfahrten sind pro Tag vorgesehen. Die Züge werden entlang des Nassen Dreiecks, der Brehmestraße und der Schulzestraße fahren und die Wollankstraße überqueren. Um das für die Anwohnerinnen und Anwohner auf der Reinickendorfer Seite erträglich zu halten, ist an der Abstellanlage eine 450m lange Schallschutzwand geplant. Die abgestellten Züge sollen mit Zäunen und Videoüberwachung vor Graffiti-Sprayern geschützt werden. Bleibt zu hoffen, dass hier keine Hubschrauber-Einsätze nötig sind.

Aber bis dahin dauert es noch etwas. Die Abstellanlage Schönholz entsteht in enger Abstimmung mit dem geplanten Neubau der Eisenbahnbrücke am S-Bahnhof Wollankstraße. In diesem Zuge wird, wie berichtet, auch ein neuer Bahnhofszugang auf der Pankower Seite der Wollankstraße entstehen. Wenn alles so läuft, wie die Deutsche Bahn es plant, könnten beide Projekte Ende 2026 fertig sein.

13 Kommentare zu “In 5 Jahren parken hier ICEs

  1. AvatarKenny

    Wieder so ein ambitioniertes Ziel. 2026 ist unmöglich bei dieser hiesigen Planwirtschaft.
    Ein paar Käfer-, Lurch-, und „Borkenkäferschützer“, also die Allesverhinderer, kommen bestimmt auch noch auf den Plan. Mit Feldstechern, Lupen, Schaufeln und Petrischalen werden diese Personen schon ihr Veto einlegen – die inzischen gängige Minderheitendiktatur sozusagen. Vorher bitte noch ein paar Radwege anmalen oder normale Straßen in Radwege mittels Farbe umwidmen, also Kraftfahrzeugführer umerziehen oder weiter massiv vergrämen.
    Wirtschaft? Egal!

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    1. AvatarPatrick

      Da magst du Recht haben… Eigentlich ist es nicht schade um ein völlig vermülltes Stück Grün, dass von vielen Zeitgenossen als private Sperrmüllablage genutzt wird (ich frage mich immer: wenn man hierher mit dem Auto fährt, um seinen alten Kühlschrank abzuladen, dann kann man doch auch gleich zum nächsten Recyclinghof fahren??!!).
      In den paar Jahren, die hier für die Fertigstellung einer bloßen ICE-Abstellanlage veranschlagt sind, hätte China sein ganzes Land mit Schnellverkehrsstrecken überzogen.

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      1. AvatarKenny

        @Patrick
        An diesem Grundstück gegenüber von Aldi wird überwiegend Gewerbemüll abgeladen. Schauen Sie sich mal die Entsorgungskosten dafür bei der BSR an.
        Das ist nicht vergleichbar mit einem privaten Kühlschrank oder privaten Müll.
        Die Kausalkette ist da ziemlich lang. Die Preistreiberei durch Angebote bei Ausschreibungen, möglichst mit dem billigsten Auftragnehmer des jeweiligen Bauprojektes usw… Wenn diese Arbeiter Feierabend haben ist jeder Recyclinghof geschlossen, die öffentliche Halde ist immer offen.
        Das selbst in Chile Großprojekte besser und schneller funktionieren ist nicht unbekannt, von der unsäglichen Digitalisierung von Schulen, dem Mobilfunknetz, der Geschwindigkeit des Internets zu Hause mal ganz abgesehen.
        Wir leben hier inzwischen in einem Museumsland und baden uns noch in Erfolgen die Jahrzehnte zurück liegen. Bei wenigen Branchen mag das noch funktionieren, NOCH!
        Hier versucht man zunehmend die Nägel in die Wände zu quatschen, nennt das „Bürgerbeteiligungen“ oder sonstwie.
        Den unzähligen Sozialarbeitern und Geschwätzwissenschaftlern wirds freuen, unserem Wohlstand tut es nicht gut.
        Nur mit ausreichend Wohlstand ist auch die Umwelt sauberer. Kausalitäten wie bereits geschrieben…..
        „Grün“ sein muss man sich übrigens leisten können.

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    2. AvatarMax

      Ach übrigens, Kenny, wie wars denn am 22. Februar bei der Pankower Tor Online-Konferenz, ich konnte leider nicht teilnehmen?

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      1. AvatarKenny

        @Max
        Ich war leider nicht dabei da ich von der Uckermark nicht rechtzeitig wieder hier war. Mal recherchieren ob diese Konferenz in Gänze online irgendwo zu finden ist. Mach ich noch bei Gelegenheit oder Du bist schneller 😉

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          1. AvatarKenny

            @Hans im Glück
            Vielen vielen Dank für diesen Link!
            Nach der Erstansicht dieser zwei Stunden ist für mich eindeutig der Entwurf 1 an der Spitze, also „Aktives Stadtquartier Pankow“.
            Bin bis jetzt auch der Einzige welcher unter dem Video auf YT einen Kommentar abgegeben hat – schade eigentlich!
            Wo sind denn die ganzen Schwurbler hier mit ihren Beiträgen dort, dort wo es sich lohnt Sachbeiträge zu schreiben?
            LG Kenny

  2. AvatarManuel

    Maßgebend für den Bauzeitraum ist aber nicht die Abstellanlage, sondern – wie im Text vermerkt – die Überführung der Bahn über die Wollankstraße. Das ist sicher nicht ganz so profan, zumindest, wenn die Beeinträchtigungen (Straße, Bahn) in einem erträglichen Maß gehalten werden sollen.

    Reply
    1. AvatarMax

      Nicht profan, aber auch keine technische Singulariät, es wird ja nicht der Grand Canyon überspannt, sondern 20 m. Mit vorgefertigten Elementen könnte das in einigen Wochen erledigt sein.

      >Oliver Warum sind die überhaupt nötig? Die Züge fahren langsam ein und es werden keine lauten Arbeiten verrichtet

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      1. AvatarManuel

        Nein, kann es technisch nicht. Die Eisenbahn besteht nicht nur aus Konstruktivem Ingenieurbau…

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        1. AvatarMax

          @Manuel wieso nicht, kannst du mal elaborieren bitte?

          klar hängt logistisch einiges dran, aber der Brückenbau ist doch eine rein Ingenieursleistung.

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  3. AvatarOliver

    Gute Sache! Wenn man sich überlegt, wie viel der früheren Berliner Schieneninfrastruktur durch die Teilung jahrzehntelang brach lag und noch immer nur Bruchteile davon genutzt werden ist dies ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, mehr Verkehr auf die umweltfreundliche Schiene zu bringen. Viele der ehemaligen Bahnanlagen wurden ja leider vollkommen zweckentfremdet und mit Großmärkten (Ost- und Wriezener Bf) oder neuen Wohn- und Bürovierteln (Hamburger und Lehrter Bf.) bebaut. Ich finde Nutzungen als Park wie z.B. Mauerpark, ehem. Stettiner Bf. oder Görlitzer bzw. Anhalter und Potsdamer Bf. zwar gut im Sinne von mehr Lebensqualität durch Grünanlagen. Gleichzeitig sind aber große Flächen vor allem im Güterbereich komplett verschwunden. Alles muss nun mit dreckigen und lauten LKW über die Straße ablaufen. Es gibt in Berlin so gut wie keinen innerstädtischen Güterbahnhof mehr und das in einer Millionenstadt. Selbst die Postbahnhöfe werden nicht mehr genutzt.
    Befremdlich ist auch der Trend, die Bahn hinter meterhohen Lärmschutzwällen zu verstecken, die an die Mauer erinnern und das teilweise zwischen den Gleisen. Da wird dann die S-Bahn von der Fernbahn abgeschirmt. Dabei fahren heute vor allem immer leiser werdende Züge und keine lauten Dampfloks mehr. Bei der Straße spielt dies komischerweise keine Rolle. Die darf weiter Lärm machen.

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