In der Gaillardstraße entsteht das FriedrichsCarré

Von | 15. Oktober 2014

Visualisierung

Schon wieder eine Baustelle. In der Gaillardstraße, von Berliner Taxifahrern meist liebevoll Geilhart-Straße genannt, kündigt sich der nächste Neubau an. Auf dem momentan als Parkplatz genutzten Grundstück vor dem „Eulen-Spielplatz“ an der Ecke zum Rettigweg soll ab dem kommenden Frühjahr das FriedrichsCarré mit 24 Wohnungen und Tiefgarage für 15 Autos entstehen.

Bauträger ist die Hanseatische Wohnungsbaugesellschaft HBB, die offenbar eine Vorliebe für hochtrabende Namen hat. Am unteren Ende der Straße ist der Investor bereits aktiv und errichtet dort das Brehme-Palais. Das Häuser ähneln sich sehr. Die künftigen Wohnungen in der Gaillardstraße 4/5 haben 2 bis 5  Zimmer, sind 72 bis 131 qm groß und entsprechen dem gehobenen Standard, den man schon von anderen Projekten im Florakiez kennt. Dazu gehören Parkettböden, Fußbodenheizung, bodentiefe Holzfenster, Gästebäder, Terrassen und Balkone. Auch die Preise sind entsprechend. Die HBB ruft zwischen 3.200 und 4.000 Euro pro Quadratmeter auf. Ein Tiefgaragenplatz kostet 25.000 Euro. Die Fertigstellung ist für Ende 2016 avisiert.

Mit dem Neubau gehen rund 25 Parkplätze verloren, die bisher von Anwohnern genutzt wurden. Das Thema hat es bereits bis in die Bezirksverordnetenversammlung geschafft, der Baustadtrat konnte und wollte die Sorgen aber nicht ausräumen.

Die Bezeichnung FriedrichsCarré erklärt sich übrigens durch den Namensgeber der Straße, Karl Friedrich Heinrich Gaillard.

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20 Kommentare zu “In der Gaillardstraße entsteht das FriedrichsCarré

  1. Alex M.

    weniger Parkplätze = weniger Komfort für Autofahrer = weniger Autos im Kiez = mehr Lebensqualität für mich (und wahrscheinlich viele andere)…

    Finde ich gar nicht so schlecht.

    1. Martin

      Scheint mir eine sehr vereinfachte Betrachtungsweise zu sein. Stichwort: Milchmädchenrechnung.

    2. Erik

      So einfach ist es natürlich nicht. Die ohnehin schon anstrengende Parksituation im Kiez noch zu verstärken, führt unweigerlich zu Querparkern, die dann, statt auf dem Parkplatz, in zweiter Reihe oder im Extremfall auf den Gehwegen parken. Ersteres führt nicht zur Entspannung der Verkehrslage, sondern zur Verschärfung. Letzteres stellt nicht nur eine Behinderung und erhöhtes Risiko für Anwohner und vor allem Kinder dar, sondern beschleunigt auch noch den Verfall von Fußwegen, was wiederum zu erhöhtem Bauaufkommen führt und das auch nur, wenn man Glück hat und die Wege nicht einfach Zerstört belassen werden.

      Wegfall von Parkfläche trifft in erster Linie die Anwohner und das ansässige Gewerbe, nicht den Durchfahrtsverkehr, den wir alle nicht gerne sehen.

      1. Stefan

        Wo steht eigentlich geschrieben, dass es ein Grundrecht auf Parkplätze gibt? Niemand wird gezwungen, ein Auto zu besitzen, und mehr noch, es gibt ja doch gerade in Berlin Alternativen. Auch als Familie mit 2 Kindern funktioniert car Sharing …

  2. Stefanie K

    Also für mich bedeutet Lebensqualität weit mehr als ein paar Autos weniger. Zum Beispiel braucht so ein Kiez auch Luft zum atmen. Was in den letzten Jahren mit dem Florakiez gemacht wird finde ich furchtbar! Jeder Quadratzentimeter wird betoniert und zugebaut. Und was wird gebaut? Wohnungen…. Es ziehen also immer mehr Menschen (häufig Familien mit kleineren Kindern) in den Kiez. Der Bau von öffentlichen Einrichtungen wie Kitas und Schulen ect. wird vernachlässigt. Klar….Kohle scheffeln funktioniert halt mit der Bebauung von Wohnraum besser.

    1. Tut nichts zur Sache

      Warum dürfen nur Sie hier wohnen, aber nicht andere?

  3. Uwe K.

    Stefanie K. kann ich nur zustimmen. Der Florakiez, zugebaut bis an die Schmerzgrenze, verursacht mittlerweile Platzangst. Die Wohndichte ist kaum mehr geringer als in den Plattenbauwüsten. Ich kann nicht verstehen, dass die Verantwortlichen vom Bezirksamt das zugelassen haben.

    1. Tut nichts zur Sache

      Der Parkplatz ist doch nicht wirklich schön, eine einzige Schlammwüste.

      Und neue zahlungskräftige Bewohner sichern die Existenz der kleinen Läden, die hier alle so toll finden!

  4. rollo

    fragt eigentlich mal jemand die Anwohner , wie sie mit dem scheinbar nie endenden Baustellen und dem damit verbundenen Lärm klar kommen?

  5. Wencke

    Als ich 2007 hierher gezogen bin, war die S-Bahn hinter meinem Haus noch ein Kompromiss für ein ansonsten ruhiges Wohnen in Pankow. Inzwischen bin ich dankbar, dass zumindest diese „Freifläche“ mit Ausblick in den Himmel und auf derzeit bunt belaubte Bäume mir niemand nehmen kann. Ich finde es einfach schrecklich, wie uns im Florakiez jede Möglichkeit auf etwas Weitblick genommen wird und zudem immer wieder darauf verwiesen wird, dass der Parkraum vom Hauseigentümer nicht geschaffen werden muss. Ich finde es auch etwas einfach zu sagen, man könne ja Carsharing in Anspruch nehmen. Ich fahre unser Auto selten, daher ist die Parkplatzsuche für mich persönlich selten ein Problem. Ich habe auch kein Problem damit, mal 500 m vom Parkplatz aus bis nach Hause zu laufen (außer, wenn ich mein schlafendes Kind dabei tragen muss…). Aber Realität ist doch, dass die Leute, die hier in die schicken neuen Wohnungen ziehen zum großen Teil ein wenn nicht gar zwei Autos haben und möglichst direkt vor dem eigenen Hauseingang parken möchten. Und das sehe ich genauso wie Erik: gerade heute früh habe ich mich wieder erschreckt, als mir plötzlich ein dicker schwarzer Audi auf dem Gehweg entgegen kam, auf dem meine Tochter mit dem Fahrrad zur Kita fuhr…

    1. Tut nichts zur Sache

      Die Leute in den schicken Wohnungen parken zumeist in den Tiefgaragen, aber Hauptsache Neid zeigen…

      1. Wencke

        Friedrichs Carré: 24 Wohneinheiten und 15 Tiefgaragenplätze
        Floragärten: ca. 240 Wohneinheiten und 200 Tiefgaragenplätze
        Brehmestr. gegenüber (und ehemals) Famos: 74 Wohneinheiten und (zugegebenermaßen nur vom Hörensagen) 35 Tiefgaragenplätze
        Brehmestr. 23: 29 Wohneinheiten und 0 Tiefgaragenplätze
        usw….
        Da bleiben für mich nach Adam Ries eine Menge Autos übrig, die auf der Straße (bzw. auf den Gehwegen) parken.
        Warum ich neidisch sein sollte, weiß ich nicht. Ich habe eine wunderschöne große Altbauwohnung. Aber die steht halt schon seit über 100 Jahren hier…

    1. Andre

      Zumindest ist das Haus Verkehrsgünstig gelegen und die zukünftigen Bewohner können ja dann die Bahn wegen Lärmbelästigung verklagen. Das ist doch die übliche Verfahrensweise wie auch schon im Prenzlauer Berg vor Jahren geschehen. Ein Ende dieser schrecklichen Entwicklung ist nicht in Sicht!

  6. Andre

    Nun sind ja bald alle Flächen im Kiez bebaut. Schade gerade deswegen bin ich vor 13 Jahren nach Pankow gezogen. Es gab viel grün und die kleinen wilden Ecken welche den Bezirk ausmachten. Auch die Menschen sind nun andere die hier wohnen. Die Frage welche ich oft gestellt habe an jene welche die teuren Wohnungen hier bauen und kaufen
    “ Warum ziehen sie gerade nach Pankow?“ Die häufigste Antwort war „Weil es hier schön grün ist“
    Ha das beisst sich aber mächtig, denn für die achsoschönen Wohnungen wurde unzählige Bäume gefällt.
    Wohnen unterm Blätterdach war ein Motto in der Gaillardstrasse 13/14 , komisch ist nur das alle Bäume gefällt wurden und es 30 Jahre dauern wird bis diese wieder die Größe erreicht haben.
    Die Belastung der Anwohner durch die immer wieder neuen Baustellen ist unzumutbar.

  7. snug

    Oh! Ganz was Neues! Eigentumswohnungen in Pankow! Endlich Wohnraum für Menschen mit Geld! Und! Arbeitsplätze im Baugewerbe!

    Singet und jauchzet, Ihr Anwohner, da Ihr von Fahrradfahrern auf dem Gehweg umgenietet werdet, den Müttern mit Zwillingskinderwagen unfallfrei ausweichen dürft, Eure Mieten nicht mehr zahlen könnt. Was erdreistet Ihr Euch auch, unverwertet dort leben zu wollen, wo Ihr schon 20 Jahre zubrachtet, die Nachbarn kennt und den Apotheker. Anspruch auf bezahlbares Wohnen? Vermessen! Frische Luft? Überbewertet. Parkplätze? Laufen ist gesund.

    Es gibt kein Recht darauf, dort zu leben, wo es den Menschen mit Geld gefällt. Mögen sie sich doch selbst bald und ausreichend gegenseitig gehörig auf die Nerven gehen.

  8. Stefan

    @snug Sehr schön auf den Punkt gebracht.
    @andre Und in 20 Jahren, wenn die Kinder der jetzigen Familien allle groß sind, und keine Lust mehr haben, weiter im Familengehtto zu leben, dann werden wir hier ein großes Pflegeheim für zurückgelassene Eltern sein. Oder ziehen wir dann allle aus um Platz für die nächsten Familien zu machen?

    Ich lebe gern in Pankow, aber man muss sich irgendwann fragen, ob man das hier noch alles gut findet. und dann kann man wegziehen oder gegen Windmühlen kämpfen.
    Irgendwelche Ratschläge?

    1. snug

      Ach, ich freue mich schon sehr auf die Zeit, da diese ganzen kleinen Keksfresser in die Pubertät kommen. Das wird dann richtig lustig hier in der Gegend.

      Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dass es tatsächlich soviel solvente Mittelschicht hier rumspringt oder dringend nach Pankow will. Die Leute, die sich Luxuseigentumswohnungen mit Mamorklobürsteneinfassung leisten können, haben die echt Bock, sich mit Kindergeschrei zu umgeben? Direkt neben dem potenziellen Friedrichskarree sind ja sowohl ein Spielplatz als auch der Kindergarten im Gemeindehaus. Oder klagen die dann die Kinder weg?

      Darüber hinaus machen sich diese Eigentumswohnungsinvestoren ja gerade massiv gegenseitig Konkurrenz meiner Beobachtung nach, beispielsweise in der Dietzgenstraße entstehen ebenfalls eine Vielzahl von architektonisch eher minderbemittelten „~gärten“ oder “ ~parks“, wobei das wohl eher zeitlich gemeint ist, erst war da Garten/ Park/ Brache/ Grün, dann kam der Beton. Offensichtlich gibt es jedoch Leute, die glauben das sie in einem Garten wohnen, auch, wenn vorne Straße ist und hinten Haus und daneben auch. Wahrscheinlich eine Definitionsfrage, für dessen Kern mir die Phantasie fehlt.

      Was ich als Alternative zu diesem ganzen Gentrifizierungswahnsinn empfehlen kann, ist das wirklich wunderbar umfangreiche Whiskyangebot in der „Bar“. Der Uckermark hat 55% und Feuer in jeglicher Hinsicht.

      Und wenn das auch nicht hilft: Notfalls müssen wir halt sonst wieder auf die Straße. Sind ja noch geübt von 89.

      1. Nachbar

        Hey snug, mach nicht so lange Pause mit Deinen Kommentaren! Amüsiere mich köstlich über Deine leider zutreffenden Beobachtungen und Deinen Stil.

        1. snug

          Merci, gracias, cпасибо, Herr Nachbar, für Ihre freundliche Motivation.
          Ich tu‘ mein Bestes.

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