Erst Abriss, dann Großbaustelle

Von | 3. Februar 2016

Die Vorbereitungen für den Abriss laufen

Die nächste Baustelle kündigt sich an. Hinter der Florapromenade sollen in zweiter Reihe neue Häuser entstehen. Ausnahmsweise kein Vorhaben, an das sich die Etiketten Luxus, Gentrifizierung oder Verdrängung kleben lassen. Die Gesobau plant im Rahmen ihrer Neubauoffensive rund 100 „bezahlbare Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung“.

Momentan wird der alte Gewerberiegel auf dem Grundstück abgetragen. Auch wenn es keines der klassischen Eigentumswohnungs-Projekte ist, sind die unmittelbaren Nachbarn von der Verdichtung wenig begeistert. Zunächst müssen sie mindestens zwei Jahre Baulärm erdulden, danach verstellt ihnen der massive Neubau mit bis zu 6 Geschossen (inklusive EG und Dachgeschoss) den Blick in Richtung Mühlenspielplatz. Wie die Häuser aussehen werden, ist noch unklar. Der Bauantrag ist gestellt, die Genehmigung aber noch nicht erteilt. Visualisierungen hat die Gesobau daher noch nicht präsentiert. Eine Ahnung von der Größe des Projekts vermittelt ein Entwurf von HAAS Architekten, der sich im Wettbewerb aber nicht durchsetzen konnte.

Erschlossen wird der Neubau über eine kurze Stichstraße von der Mühlenstraße. Postalisch gehört er zur Florastraße 33. Ob und wie viele Stellplätze es geben wird, ist noch unklar. Falls die Gesobau auf eine Tiefgarage verzichtet, dürfte sich die angespannte Parkplatzsituation deutlich verschärfen.

Für die Gesobau ist es der zweite Neubau im Kiez. In der Florastraße 75 entsteht schon seit einigen Monaten ein Haus mit 18 Mietwohnungen, aber ohne Stellplätze. Insgesamt will die Wohnungsbaugesellschaft ihren Bestand in Berlin durch Zukauf und Neubau von knapp 40.000 auf über 50.000 Wohnungen erweitern.

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13 Kommentare zu “Erst Abriss, dann Großbaustelle

  1. Grit Lemke

    Ich wohne direkt hinter der Baustelle in der Florapromenade. Mal abgesehen davon, dass ich den Spielplatz jetzt auch nicht sehe, werde ich dann in der Hochpaterre nicht mal mehr den Himmel sehen können, wenn der riesige Wohnblock so nah steht wie der Entwurf erahnen lässt. Mietskasernenfeeling in Pankow.

  2. kasimier

    Wenn die dann auch wieder für ihre regulären nicht-WBS-Wohnungen 12,60 €/qm verlangen, kann man schon über die Etiketten Luxus, Gentrifizierung und Verdrängung sprechen.

  3. MaLü

    Ich wohne auch in der Florapromenade direkt gegenüber der Baustelle. Vorher habe ich auf einen wunderschönen grünen verwilderten Schrebergarten geschaut, in dem eine Fuchsfamilie ihren Bau hatte. Nun ist alles weg – noch bevor die Baugenehmigung erteilt ist. Und ob das Fällen der Bäume rechtens war, weiß ich auch nicht. Mal schauen, was ich nach dem Bau aus dem 1. OG noch so sehe.
    Schade, wieder ein Stück Grün weniger im Kiez…
    Ich würde mich freuen, weitere Berichte darüber zu lesen, wenn es Neuigkeiten gibt.

  4. Grit Lemke

    Ja, die Fuchsfamilie im letzten Jahr war wirklich ein Highlight. 3 oder 4 Junge hatte sie.

    Die Frage ist jetzt, kann man sich vor Erteilung der Baugenehmigung (Bauantrag wurde im Dezember eingereicht) als Anwohner noch was tun? Kennst sich jemand damit aus?
    Ich finde, dass die Anwohner hier nicht ungefragt vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollten.
    100 Wohneinheiten bedeuten aller Voraussicht nach 5-6 Stockwerke. Bauen darf man glaube ich bis zur Höhe der umliegenden Bestandsgebäude.

    1. MaLü

      Es waren 4 Junge. Einige irren jetzt noch manchmal über die kahle Fläche.
      Ich würde mitkämpfen, weiß aber leider auch nicht wie und ob es etwas bringen würde.

  5. Martin G.

    Also ich wohne auch direkt an geplanten Baustelle und hoffe es werden nur 5. Stockwerke. Auf jedenfall wird bei dieser Bauart der S-Bahn Lärm geringer. Wo dieser mir aktuell auch nicht wirklich stört. Das rausschauen wird auf jedenfall eingeschänkt!

  6. thonik

    Städtebaulich ist die Vorgehensweise aus meiner Sicht bedenklich. Solange noch nicht einmal alle im 2. Weltkrieg gerissenen Baulücken geschlossen sind, sollte nicht derartig massiv in die bestehende Bebauung eingegriffen werden. S. auch weiße Villa. Aber das sind jetzt wohl die genehmigungsfähigen Tatsachen… Übrigens: Bei dem inzwischen fast vollständig abgerissenen „Gewerberiegel“ handelt es sich m.E. um die genau 110 Jahre alten Reste einer Schmiedefabrik. „Im Jahr 1905 kaufte der Kunstschmied A.M. Krause das Grundstück Florastraße 33. Ein Jahr später ließ er den Wohnblock Florapark mit dahinterliegenden Fabrikgebäuden errichten.“ (Deus, Schmiedecke: Berlin Pankow, 2002, S.21). In einer Beilage zur Berliner Architekturwelt 1910 informierte die „renommierte Firma A.M. Krause, Berlin Pankow Florastrasse 33 über eine auf dem Gebiet der Gitterfabrikation epochemachenden Neuheit …Die Firma empfiehlt darin ihre gesetzlich geschützten Triumphgitter, die gegenüber den üblichen eisernen Gittern ganz bedeutende Vorteile aufweisen.“ (Berliner Architekturwelt. Ausgabe 12.1910, Heft 1, S.42). Vielleicht hätten ein paar solcher Triumphgitter unsere Füchse ja davor bewahren können, sich selbst bzw. den Straßenverkehr an der Kreuzung Florastraße/Mühlenstraße zu gefährden? Wer weiß …

    1. MaLü

      Auf jeden Fall wurden hier erst einmal Tatsachen geschaffen, bevor noch jemand auf die Idee kommt, sich dagegen zu wehren. Bisher liegt keine Baugenehmigung vor. Schon erstaunlich, dass da schon vorher Geld für den Abriss von einem kommunalen Unternehmen in die Hand genommen wird.
      Hier wurde sogar schon an einem Samstagmorgen von 07:30 bis 09:00 Uhr mit lautem Gerät gearbeitet, an anderen Wochentagen dafür gar nicht.
      Auf meine Anfrage, ob man prüfen könne, ob so etwas am Samstag wirklich notwendig sei, wurde geantwortet, dass man keinen Einfluss auf die Planer habe, aber dass man ja sowieso in 14 Tagen vermutlich fertig sei.
      So eine Haltung trägt nicht gerade zur Akzeptanz dieses Bauvorhabens bei!

      1. pankowbewohner

        Schon vor Jahren ging durch die Presse, dass der Senat und die Wohnungsbaugesellschaften vertraglich vereinbart haben, Wohnungen und noch einmal Wohnungen für die wachsende Stadt zu bauen. Auf der Webseite der Gesobau sind Informationen zu den Vorhaben seit langem nachlesbar und werden kontinuierlich ergänzt: http://www.gesobaut.de/aktuelle_bauprojekte/ . Das Gelände gehört dem Unternehmen. Für bauvorbereitende Maßnahmen braucht es keinen Bauantrag. Was ist jetzt wieder falsch daran, dass Wohnungen – gerade nicht nur für das wohlhabende Baugruppenmilieu – gebaut werden, wenn in den nächsten Jahren eine ganze Kleinstadt nach Pankow zieht? Oder ist dies wieder das übliche „heiliger Sankt Florian“?

        1. MaLü

          Für vorbereitende Maßnahmen benötigt man Geld. Und das auszugeben, bevor man weiß, ob man bauen darf, verwundert mich. Ich persönlich würde das mit meinem Geld nicht machen.
          Für mich ist falsch, dass auch noch so kleine Grünflächen weichen müssen, die für das Klima der Großstadt wichtig sind.

          1. Hanno HallHanno Hall Post author

            Die Gesobau dürfte einen Bauvorbescheid haben. Damit wäre klar, dass gebaut werden darf. Eine Baugenehmigung wäre dann nur noch Formsache und würde die Details regeln.

  7. gl

    Danke für die Infos zur Historie des Geländes.

    Ja, es werden Tatsachen geschaffen, um möglichem Bürgerprotest zuvorzukommen. Das ist auch meine Einschätzung. Die Gesobau tut dies auch bei ihren Modernisierungsobjekten und klebt schon mal Fassadendämmung dran, obwohl einge Mieter noch im Klageverfahren sind.
    Wie auch immer, der Abriss wird schon mal vollzogen, obwohl es noch keine Baugenehmigung gibt. Warum? Sie gehen sicher davon aus, dass die Baugenehmigung nur eine Formalität ist. In Pankow wird doch so ziemlich jeder Neubau genehmigt.
    Müssen sich das die Anwohner immer gefallen lassen? Ich denke nicht. Zumindest sollten sie sich einmischen und sich nicht auch beim Bauprojekt selbst vor vollendete Tatsachen stellen lassen. Bisher gibt es so gut wie keine Infos zu dem Bauprojekt. Man kann Einsicht in die Bauakte beantragen und Baustadtrat Jens-Holger Kirchner bei den Sitzungen des Ausschuss für Stadtentwicklung und Grünanlagen auf den Zahn fühlen oder seine Bürgersprechstunden nutzen. Sein Bezirksamt erteilt die am Ende Baugenehmigung.
    Was soll dort gebaut werden und wie hoch? Bleiben die Bäume entlang der hinteren Florapromenade stehen?
    Trotz allen Neubaus sollten Lückenschließungen und vor allem Verdichtung mit Bedacht ausgeführt werden. Das wäre die Aufgabe vernünftiger Stadtentwicklung. Das Gefühl habe ich aber gerade in Pankow nicht.

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