„Kein Murks“ am Pankower Tor – verspricht Krieger

Von | 9. März 2016
Krieger_Kirchner

Ein Kompromiss macht glücklich: Investor Kurt Krieger und Stadtrat Jens-Holger Kirchner

Es waren einfach zu viele, die sich für den Informationsabend über den ehemaligen Güterbahnhof Pankow und die Elisabethaue interessierten. Kurz nach halb sechs wurde keiner mehr in die völlig ausgelastete Aula des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums gelassen. Die Stimmung vor dem Gebäude war dementsprechend aufgeheizt – anders als im Saal.

Vielel mussten draußen bleiben

Viele mussten draußen bleiben

Die Gäste auf dem Podium für das Pankower Tor, der Eigentümer der Freifläche entlang der Granitzstraße, Kurt Krieger, Baustadtrat Jens-Holger Kirchner und Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, zeigten sich gut gelaunt und aufgeräumt. Die Erleichterung über den – nach 11 Jahren Planungsphase und zwei Moderationsverfahren – gefundenen Kompromiss war deutlich zu spüren. „Der Schmerz ist überwunden“ fasste es Kurt Krieger zusammen.

Der Unternehmer ist bereit, das geplante Einkaufszentrum an den Bahnhof Pankow zu verlegen und die Senatsverwaltung verzichtet im Gegenzug auf die sogenannte POW (Planstraße Ost-Westverbindung), eine vierspurige Entlastungsstraße entlang der Granitzstraße bis zur Mühlenstraße. Interessant waren die Begründungen.

Nicht nur die Bevölkerungszahl in Berlin und vor allem in Pankow sei gewachsen, sondern auch die Kaufkraft. Zudem seien die Anwohner mit dem Pankower Zentrum und seinen Einkaufsmöglichkeiten unzufrieden. Mehr Wettbewerb könne also nicht schaden, meinte Senator Geisel. Mit dem neuen Einkaufszentrum am Bahnhof Pankow werde das gesamte Zentrum bis zum Rathaus belebt. Ein weiteres Argument für den neuen Standort ist die gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Baustadtrat Kirchner verwies darauf, dass beispielsweise 95 Prozent der Kunden der Schönhauser Allee Arcaden mit dem ÖPNV kämen und versuchte so, den Bedenken der Zuhörer zu begegnen. Das hat nicht geklappt. Die Sorge vor einem Verkehrschaos war eins der Hauptthemen in der anschließenden Fragerunde. Durch den Saal geisterte immer wieder die Zahl von 36.000 Fahrten, die durch das Einkaufszentrum hinzukämen. Hinfällig, betonte Kirchner wiederholt, diese seien für den alten Standort an der A114 berechnet worden. Dort würden für die nun entstehenden Möbelhäuser nur 7.000 Fahrten erwartet (an Samstagen) und das sei durchaus stemmbar.

Das Gelände wird aufgeräumt

Das Gelände wird aufgeräumt

Kritik gab es von den Anwohnern auch daran, dass der ursprünglich geplante Park wegfällt. Darauf antworte Senator Andreas Geisel mit einem Plädoyer für die städtebauliche Verdichtung. Berlin sei in den vergangenen Jahren um die Größe Potsdams gewachsen, jetzt komme Bochum. Berlin brauche Wohnungen, eingeschossige Supermärkte seien nicht mehr genehmigungsfähig und so könnten die geplanten Wohnhäuser auch gerne vier- bis fünf- statt nur dreigeschossig werden. Krieger selbst ist das egal. Für die 1000 Wohnungen, von denen 250 für 5,50 Euro pro qm vermietet werden sollen, startet im März ein Architekturwettbwerb. Alles ist möglich, im Sommer wird entschieden. Krieger verspricht nur, es wird „kein Murks entstehen“, er sei in Pankow groß geworden und stehe mit seinem Namen für das Projekt.

Überhaupt bekommt Krieger, der in die Entwicklung des Geländes 500 Millionen Euro investieren will, auffällig viel Applaus. Ein Anwohner bedankt sich für sein Durchhaltevermögen und seine Geduld, was der Unternehmer relativiert und dafür nutzt, sich erneut für seinen ersten Entwurf zu entschuldigen. Er habe nicht richtig hingehört und sei im Unrecht gewesen. Es klingt fast kokett. Es ist offensichtlich: niemand der Verantwortlichen will den neuen Frieden stören.

Im Sommer will Kurt Krieger ein Modell der Planungen anfertigen lassen, das auf einer weiteren Infoveranstaltung und vielleicht auch in der roten Infobox am Bahnhof Pankow begutachtet werden kann. Über den Baubeginn war nichts konkretes zu erfahren, vor 2018 ist aber nicht damit zu rechnen.

Links Grundschule und Einkaufszentrum, in der Mitte Wohnhäuser, rechts Möbelmärkte und Oberschule.

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18 Kommentare zu “„Kein Murks“ am Pankower Tor – verspricht Krieger

  1. Max Müller

    Sehr ärgerlich für die vielen die draussen waren.

    Nicht mal ne richtige Info-Veranstaltung kriegt die lausige Bezirksverwaltung hin – da müssen die Ehrenamtlichen vom Verein einspringen.

    Und der „Bürgermeister“ kokettiert auch noch mit seiner Verhinderungshaltung. Erbärmlich!

    1. pankower

      Das war eine Veranstaltung des Vereins für Pankow, nicht des Bezirksamtes. Waeren nicht die Bauerntrampel aus Elisabethaue nach Pankow gereist, waere alles zivil abgelaufen. So hat der Verein dem Stadtrat Kirchner, jahrelang Hauptblockierer des Projektes („Alexa II macht das Pankower Zentrum platt“), ein Podium geboten, seine Geschmeidigkeit bei politischen Positionen zu zeigen.

      1. Max Müller

        ist klar, aber das war doch genau mein Vorwurf, dass das Bezirksamt nicht selber eine professionelle Info-Veranstaltung macht, sondern die vom Verein das machen müssen! Trotzdem danke dafür!

        Und statt dem grünen Verhinderer hätten sie lieber jemand kompetetens einladen sollen.

  2. Taxifolia

    Jetzt wundere ich mich doch ein bisschen …

    Da sitzt der Herr Baustadtrat Kirchner (von den „GRÜNEN“) auf dem Podium und freut sich fett und bräsig, dass auf den 33 (in Worten DREIUNDDREIßIG) Hektar (= 330.000 m²) Fläche des ehemaligen Güterbahnhofes nicht einmal 1 (in Worten EIN) Alibihektar Grünfläche vorgesehen ist.

    Statt dessen: Beton (Schule), dann Beton (Einkaufszentrum), dann Beton (1000 Wohnungen), dann Beton (drei Möbelmärkte mit Riesenparkplätzen), und dann Beton (Schule). Und der Kirchner (von den „GRÜNEN“) krieg(er)t sich vor Grinsen kaum ein. Ist der in der falschen Partei, ist die Partei falsch, oder gibt’s da noch ganz andere Motivationen???

    Irgendwas hab‘ ich nicht verstanden…

    PS: Dass der Herr Krieger sich bezgl. seiner früheren Planungen im Unrecht wähnt, will ich ihm gerne glauben. Macht er doch jetzt einen deutlich besseren Schnitt!

  3. André

    Wurde was über die Schulen gesagt? Staatlich? Privat? Vermute staatlich, aber man weiß ja nie.

    1. Cathrin BonhoffCathrin Bonhoff Post author

      Die zwei Schulen baut der Bezirk. Kurt Krieger hat die entsprechenden Flächen abgegeben. Die Grundschule an der Westseite des Grundstücks soll 4 bis 5-zügig werden. Die Sekundarschule im Osten soll die unter Denkmalschutz stehenden Lokschuppen mitnutzen.

  4. pankower

    Kirchner zeigt als Baustadtrat wieder seine Überforderung. Natürlich wird es im Pankower Zentrum erheblichen Verkehrszuwachs geben. Wenn der Hoeffner von der Pankstraße weggeht, werden sich die Weddinger auf den Weg an die Prenzlauer machen. Per Kfz, womit gehts sonst zum Møbler? Und das EKZ kriegt mit dem Bhf Pankow einen Standort mitten im Nahverkehrsparadies, dass eine neue Straßenbahn ueber das Gelände unnötig macht.

    Krieger hat in den letzten sechs Jahren zu keinem Zeitpunkt lukrativere Optionen für sein Investment gehabt. Schon bemerkenswert, dass die Grünen im Bezirk diesen Schmu mitmachen, nachdem sie jahrelang jede Kommerznutzung ablehnten. Andererseits hat sich der grüne Stadtrat Kirchner erst kürzlich in einer Berliner Tageszeitung gegen Buergerentscheide ausgesprochen…

  5. gl

    Mir reicht der Anblick des Herrn Kirchner auf dem Foto. Selbstgefällig und zufrieden mit dem, was er „erreicht“ hat.
    Warum braucht Pankow dort noch mal ein Möbelhaus?
    Warum entstehen nur 20% bezahlbare Wohnungen ab 5,50 kalt/qm?
    Warum ist eigentlich in Pankow das Wachstum so stark und der Bauboom ausgebrochen und in anderen Bezirken nicht? Ist das die Stadtentwicklung wie es die Ressorts der Herren Kirchner und Geisel bezeichnen?
    Warum will eigentlich kaum jemand auf sein Auto verzichten und beschwert sich doch über das zunehmende Verkehrschaos vor der eigenen Haustür?
    Und warum wurde auf der Veranstaltung Herrn Krieger so viel applaudiert und sich sogar bei ihm bedankt? Wofür?
    Alles in allem enttäuschend, was die Politik den Bürgern als Kompromiss vorsetzt. Und außer zum Verkehr gab es mir dort zu wenig Kritik der Bürger. Die Wohnungspolitik in Berlin ist bspw. ebenso eine Katastrophe.

    1. Brand, H.-J.

      Warum wurde Herrn Krieger so viel applaudiert? Ich war auch auf bei der Versammlung und und wenn ich mir die Leute so angeschaut habe, vermute ich, dass viele mit den explodierenden Mieten in Pankow nicht mehr zu recht kommen und hoffen auf eine schicke, moderne Wohnung, die sie bezahlen können. Aber bis es so weit ist, wird die Teuerungsrate die Miete mindestens auf 7 EUR hochschrauben. Die Gehälter und Renten allerdings werden mit Sicherheit mehr oder weniger auf heutigem Stand bleiben. Auch die Gehälter von den Angestellten des Herrn Krieger. Aber vielleicht funktioniert das auch mit den 5,50 EUR, wenn man sich das Betonghetto vorstellt, was da geplant ist. Da kann man wahrscheinlich auch in 5 Jahren nicht mehr Miete verlangen, weil da keiner der nicht unbedingt muss, dahin ziehen will.

  6. Baumensch

    Beton und Ghetto. Was schreiben Sie für einen Unsinn?! In Deutschland werden Häuser glücklicherweise aus stabilen und langlebigen Materialien gebaut. Im Gegensatz zu den Bruchbuden, die es beispielsweise in den USA und GB gibt. Wenn Sie einen Blick in Google Maps werfen, werden Sie erkennen, dass eine Bebauung geplant ist, wie es sie auch südlich der Granitzstraße gibt. Ganz normale Mietshäuser. Wenn die Architektur stimmt, werden das schöne Häuser mit schönen Wohnungen, guten Schnitten und guter Belichtung. Genau das, was die Leute händeringend suchen. Auch wenn die 7 Euro kosten sollten, wäre das noch günstig. Löhne und Renten steigen im übrigen sehr wohl. Allein 2016 klettern die Renten um bis zu 4,6 Prozent! Meckern allein hilft nicht. Was schlagen Sie denn vor?

    1. Nachbar

      „Allein 2016 klettern die Renten um bis zu 4,6 Prozent.“ Was angesichts der faktisch nicht vorhandenen Inflation ein erheblicher Kaufkraftgewinn wäre. Wenn nicht in Berlin die Mieten so drastisch steigen würden, wie in den letzten Tagen gezeigt wurde. Wenn man also schon, wie sich BVV, BA und Investor das vorstellen, die Nutzflächen anordnet und das Abgeordnetenhaus dies billigt und den Flächennutzungsplan ändert, ist geradezu zwingend, dass das Wohnen über alle 1000 Wohnungen für „gedämpfte Preise“ zu haben ist. Worin bestünde sonst der Mehrwert des Vorhabens für die Menschen?

    2. Brand, H.-J.

      Herr Baumensch: Die seit mindestens 10 Jahren prognostizierte heutige Wohnungsnot hat man einfach ignoriert (Die Gründe dafür ist ein anderes Thema). Jetzt, wo der politischen Druck zu groß wird, verfällt die Politik in Aktionismus. Wohnungsnot rechtfertigt doch nicht auf Teufel komm raus (und ich bleibe dabei) Wohnblocks in Reihe hochzuziehen. Um sie für Gering- bis Normalverdiener bezahlbar zu machen wird es keine Architektur geben, die den Architektur-Oscar dafür bekommt . Was ist das für ein Argument? Weil südlich der Granitzstraße schon ganz normale Wohnblocks stehen macht es nichts, dass nördlich der Granitzstraße einfach weitere normale, langweilige Wohnblocks hochgezogen werden. Und diese stehen dann noch eingezwängt zwischen den Betonklötzen EKZ und Möbelhäuser. Das hat doch mit Stadtentwicklung nichts zu tun. Was das wird kann nicht schön werden. Das ist nicht das, was sich die Leute unter Wohnqualität vorstellen. Auf der Veranstaltung hat man das nur schön geredet. Was spricht gegen den ersten Entwurf – vom Bauherr selbst entworfen? Der Kompromiss dazu wäre gewesen, dass tatsächlich noch einige Wohnungen (so wie Sie sich diese vorstellen) hätten hinzukommen müssen. Man muss doch etwas bauen, das wirklich auch in 50 Jahren noch Bestand hat. Und außerdem. Die Gegend rund um das Gelände braucht doch wirklich noch irgendwo eine Grünfläche. Und das ist sicherlich kein Unsinn. (Am Rande bemerkt: Warum müssen sich die Leute auf solchen Seiten immer gleich so angreifen im schlimmsten Fall beleidigen?)

      1. Baumensch

        Wer sagt denn, dass es langweilige Blocks werden? Es soll einen Architektur-Wettbewerb geben. Das lässt doch hoffen.

        1. Brand, H.-J.

          … ok – lasst uns alles zubetonieren -egal wie es aussieht und egal welche Sozialstrukturen sich in solchen Siedlungen zwischen EKZ und Möbelhäusern entwickeln. Und die vorhanden Parks dann auch gleich noch – und so verdichtet wie möglich. Es soll wirklich niemand auf der Straße übernachten müssen.

  7. Varla

    Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, warum jede Form von Stadtentwicklung kritisiert wird. Überall fehlen Wohnungen und wo immer ein Neubau geplant wird, gibt es heftige Gegenwehr. Der Mietmarkt kann nur entspannen, wenn das Angebot an Wohnraum steigt. Dennoch gibt es immer die gleichen Gegenargumente: Beton, zu wenig Grün, etc. All diejenigen, die dringend Wohnungen suchen, fühlen sich von solcher Scheinheiligkeit gedemütigt. Von allen, die Bauvorhaben gleich welcher Art kritisieren, würde ich liebend gern mal konkrete Alternativvorschläge hören. Und ich würde auch noch gern anmerken, dass 5,50/7,00 für Neubauten leider realistisch sind. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, dass womöglich nicht die Mieten zu noch, sondern die durchschnittl. Einkommen zu niedrig sind.

    1. Taxifolia

      Dass die Fläche entwickelt wird, wird doch gar nicht kritisiert. Es geht um das wie. Es geht um den Mangel an Gestaltungswillen, vor allem seitens der Politik. Wohnungsnot ist doch kein Grund, alles komplett mit einfallsloser Investorenarchitektur zuzubauen. Falls doch: im Bürgerpark könnte man sicher locker 500 Wohneinheiten errichten, in der Schönholzer Heide mindestens 2000, vom Tiergarten ganz zu schweigen… Und die Kleingärten gehören natürlich auch alle weg, da gehen ein paar grüne Spinner ihrem Privatvergnügen auf Kosten der Allgemenheit nach…. WIRKLICH???

      Alternativvorschlag: Ja, tausend Wohnungen bauen, aber auf mehr Fläche, mit mehr Grün, mit Lebensqualität. Vielleicht statt 08/15 auch mal ein ausgefalleneres architektonisches Konzept verwirklichen. Tolle Architektur muss nicht teuerer sein! Und vielleicht den angedachten grünen Korridor ins Umland wieder einplanen. Im Gegenzug die Gewerbeflächen verkleinern. Warum mehrere Riesenmöbelmärkte in dicht bewohntem Gebiet? Warum ein weiteres Rieseneinkaufszentrum am S-Bhf Pankow in den märkischen Sand setzen, obwohl das benachbarte Rathauscenter nicht gerade überrannt wird? Trotz der vielen Zuzügler? Sieht man doch gerade an der Mall of Berlin, dass Investorenträume oft genug Schäume sind…

    2. Max Müller

      Ich denke mit den 7 Euro pro qm kommt man nirgendwo hin. Es ist ja eine ganz einfache Rechung

      Erstellungskosten ca. 2000 Euro/qm (ist niedrig angesetzt, und ohne Grundstückskosten)
      Dann sind die Baukosten in 2000 / 7*12 =23 Jahren wieder drin. Bei 10 Euro in 16 Jahren.

      Das sind die Realitäten an denen man nicht vorbeikommt, denn keiner baut aus Altruismus.

      Die Anmerkung mit den durchschnittlichen Einkommen trifft eher zu.

  8. Baumensch

    Der Unterschied: Rund um die Mall of Berlin wohnt niemand, in Pankow plus Umland (Autobahn und S-Bahn) sehr wohl. Das Rathaus-Center ist weder gut angebunden, noch gute Einkaufs-Architektur noch besonders attraktiv bespielt. Auch wenn das Management ein paar Punkte ändern will.

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