Die Feinbäckerei Gabriel schließt für immer

Von | 29. Juni 2017

Jürgen Gabriel und seine Angestellten Frau Neumann und Frau Regge

Eine deprimierende Nachricht für den Kiez: Wer auf der Suche nach Buchweizen-Brötchen, Hefezöpfen, Hörnchen, Ost-Schrippen oder anderen leckeren Dingen ist, wird in der Florastraße 34 nicht mehr fündig. Die Feinbäckerei Gabriel gibt auf. Die älteste Bäckerei Pankows mit ihrem speziellen, manchmal etwas sprödem Charme ist 121 Jahre nach der Eröffnung im Jahr 1896 Geschichte. Am Freitag, dem 30. Juni 2017, hat sie zum letzten Mal geöffnet.

Bäckermeister Jürgen Gabriel hätte gerne gesehen, dass der Laden weiter geführt wird. Doch sein Sohn kann ihn nicht übernehmen und ein anderer Nachfolger hat sich nicht gefunden. Die Bäckerei, in der die Zeit stehen geblieben schien, ist zum Zuschussgeschäft geworden. Die laufenden Kosten und die Miete sind gestiegen, die Umsätze gesunken. Mit Aufback-Teiglingen aus China, die im Großhandel 3 Cent kosten, kann einheimisches Handwerk preislich nicht konkurrieren.

Mit der Bäckerei Gabriel geht eine lange Tradition zu Ende und eine der letzten „echten“ Bäckereien verschwindet. Von 44 Bäckereien, die es noch zur Wendezeit gab, ist nur eine handvoll übrig geblieben. Die Veränderungen im Kiez haben Gabriel wirtschaftlich nicht geholfen. Obwohl viele Menschen zugezogen sind und die Kaufkraft gestiegen ist, wurde immer weniger verkauft. Laut Gabriel sind viele Kunden ins Rathaus-Center abgewandert. In der Florastraße gebe es zu wenig Laufkundschaft. Durch die hohen Wohnungsmieten und Kaufpreise sitze auch bei den jungen Familien der Euro nicht mehr so locker.

Jürgen Gabriel hat seine Lehre 1955 in der Bäckerei begonnen, die damals noch Hein hieß. 1981 übernahm er den Betrieb dann von seinem Meister. Gabriel stand bis vor kurzem noch selbst am Ofen. In den letzten Jahren hat er sich dann um Verwaltungs- und Papierkram gekümmert. Mit inzwischen 76 Jahren und körperlich nicht mehr ganz fit, setzt er sich jetzt endgültig zur Ruhe. Auch seine Wohnung hinter der Backstube muss Gabriel aufgeben. Er zieht in ein Altersheim. Die Verkäuferinnen Frau Neumann und Frau Regge müssen sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Beide sind sehr traurig, aber zuversichtlich, etwas Neues zu finden.

Auf die Frage, wo man als Florakiezler denn nun seine Frühstücksbrötchen kaufen solle, antwortet Gabriel nach kurzem Zögern: „Bei Johns oder bei Wilhelm in der Kissingenstraße.“

Ansicht aus dem Jahr 1902

Mehr zum Thema:
Christian Badel zeichnet den Florakiez: Florastraße 34
Fundstück: Wer hat Angst vor der Ostbäckerin?

Hanno Hall
Hanno Hall

Lebt seit 1997 in Berlin und seit 2010 im Kiez. Verantwortet n-tv.de und die n-tv Apps. Interessiert sich für Baustellen, Flughäfen und Politik. Geht zu Fuß, fährt Rad, BVG und Auto.

42 Kommentare zu “Die Feinbäckerei Gabriel schließt für immer

  1. Systembolaget

    Dann ist ja wieder Platz für ein Mutter-und-Kind Café mit laktose-, gluten- und pestizidfreiem Fitness-Eis, oder einen Feinkostladen mit bei Mondschein in einer ganz coolen Kooperative in Italien handgerührtem Pomelo-Senf.

    Traurig.

    Reply
  2. Flora85

    Tja, wie soll’s auch anders kommen bei dem Gentrifizierungs- und Bauwahn. Ihr seid alle mit daran Schuld. Veränderung ja, kaputt machen nein.

    Reply
    1. Eysenbeiss

      Was hat dein Gelaber inhaltlich mit den oben genannten Fakten zu tun ?
      Gerade an der Ecke ist nichts mit Gentrifizierung, aber ist natürlich leichter die Hasskappe auf zu setzen und Blödsinn zu labern, als mal Luft ans Hirn zu lassen.

      Vor allem aber IHR seid alle mit dran Schuld, aber DU natürlich nicht, schon klar, es sind IMMER und NUR die Anderen.

      Reply
      1. Flora85

        Hass erkenne ich eigentlich nur an ihrem Beitrag (Selbstreflektion ist eine Tugend…). Natürlich beziehe ich mich da mit ein, ich habe ja schließlich auch das Wörtchen „mit“ benutzt. Sie sind mit Ihrem Beitrag übrigens keineswegs bei irgendwelchen Fakten geblieben. Traurig…

        Reply
  3. BMX

    Also diesen Laden werde ich wirklich schmerzlich vermissen! Nie wieder die einmaligen Brötchen und die genialen Mohnzöpfe! Ich weiß jetzt echt nicht was ich am Wochenende frühstücken soll da alle anderen Bäckereien in der Gegend nur 08/15 sind. Da hat man schon keine Lust sich gemütlich am Sonntag an den Esstisch zu setzen. Schade das ich das jetzt erst mitbekomme sonst hätte ich mir nochmal die Tiefkühltruhe mit deren Backwaren vollgestopft!echt traurig und tut mir für den Besitzer und die Angestellten sehr leid!!!

    Reply
  4. Max Müller

    Ich finds auch traurig, aber Meister Gabriel ist 76, da darf er doch verdient in den Ruhestand gehen.

    Dass sich aber keine Nachfolger finden, die Bäcker werden wollen, das liegt an der
    Geiz ist geil Mentalität. Und dass die Leute sich den Backshop-Müll reinziehen verstehe wer will.

    Reply
    1. Systembolaget

      Vor vielleicht 20 Jahren schon gab es im Kino Reklame mit dem Motto: Billich? Willich!

      sic transit gloria mundi

      Reply
  5. Andreas H.

    Ich bin auch öfter mal (mit Vorliebe sonntags) aus FranzBH in die Flora gefahren und hab da meine Semmeln gekauft.
    Und ich habe es nie verstanden das es Leute gab die an der Bäckerei vorbeigelaufen sind und ihre „Brötchen“ drei Häuser weiter im Bräunungsstudio geholt haben.
    Aber verständlich, sei dem Bäckermeister der Lebensabend gegönnt!
    Nur komisch das solche Traditionsbetriebe nie überleben, gerade in einer Ecke wie der Flora. Mehr Bio und local geht ja kaum.

    Reply
  6. MeierMann

    Farewell my friend… Auch der Himmel über Pankow trägt (heute schon) Trauer. Und schon wieder geht ein Stück Pankower Identität verloren. Ich finde es sehr bedauerlich, dass eine Überleitung des Geschäftsbetriebs nicht gelungen ist. Die neuen Dinge, die seit einigen Jahren in Pankow (Pankow) entstehen, tragen mE nicht dazu bei, sich besser zu fühlen. Ganz im Gegenteil. Mein Heimatgefühl schwindet von Jahr zu Jahr. Der Bezirk, ja eigentlich ganz Berlin, stiftet immer weniger Identität. Traurige Erkenntnis.

    Dem Bäckermeister einen erholsamen Ruhestand. Bleiben Sie gesund.

    Reply
  7. Caroline

    Es ist sehr traurig und wir lieben die Brötchen vom Bäcker Gabriel!!

    Bäcker John ist absolut kein Vergleich !!

    Reply
  8. maciicx

    Ich hoffe, dass ich es morgen noch mal dorthin schaffe, mir ein allerletztesmal einen Marmeladentaler zu holen und ein vernünftiges Brot!

    Ich werd‘ den Laden vermissen.

    Reply
  9. NennenwirIhnTom

    was ich nicht so recht verstehe ist, wie gutes Essen und dessen Handwerk zu teuer sein kann, okay 5€ für eine Schrippe wäre schon exklusiv, aber der Müll aus dem Backshop oder aus dem an der Ecke Florapromenade…? Backen wir wieder selbst.

    Reply
  10. Eysenbeiss

    Ist nun mal so – wie viele Leute haben früher darüber gejammert, dass die alten Schustereien schließen mussten ?
    Heute denkt da auch keiner mehr dran und auch die, die hier einen auf eso, bio und öko machen, werfen ihre Schuhe eher weg, als sie reparieren zu lassen.

    Es war schon vor JAHREN bekannt, dass der Laden irgendwann wird schließen müssen, wenn sich kein Nachfolger findet und der Umsatz nicht wieder steigt, aber wie viele von denen, die hier gerade rumgesülzt und sich selbst beweihräuchert haben, haben AKTIV daran mitgearbeitet, einen solchen Nachfolger zu finden, oder haben „WERBUNG“ für den Laden gemacht, damit dieser mehr verkauft ?

    Richtig, NIEMAND, also spart euch eure Scheinheiligkeit.

    Reply
  11. Horst

    Die eigene Backstube war schon sehr gut. Darum ist es wirklich schade. Industriebrötchen schmecken langweilig. Aber die Qualität der lokalen Backstube sollte auch stimmen. Optisch waren die Brötchen ehrlich gesagt nicht immer eine Augenweide. Ich habe sie gerne gegessen aber ich verstehe auch, dass Leute lieber nach EU-Einheitsnorm kaufen oder zu Johns gehen, weil die da einfach hübscher aussehen. Auch Freundlichkeit öffnet übrigens Türen und sorgt für Kaufkraft. Die launischen Verkäuferinnen versprühten nicht gerade das Gefühl, dass man im Laden gern gesehen wird. Davon haben die bei Johns allerdings auch keine Ahnung. Ich hoffe Gabriel kann seinen Ruhestand noch lange genießen.

    Reply
  12. Linda Bittner

    Ich danke dem Team der Bäckerei Gabriel für ihre immer freundliche Bedienung und natürlich für
    die vorzüglichen Backwaren, alles aus eigener Backstube.
    Seit 1978 war meine Familie dort eine guter Kunde und wir mussten Verwandten und Bekannten in anderen
    Stadtteilen immer die guten Hörnchen und Zöpfe mitbringen, wenn wir sie besuchten.
    Schade, ich werde diese traditionelle Bäckerei sehr vermissen. Alles Gute für Herrn Gabriel und den netten
    Verkäuferinnen.

    Reply
  13. Wetzel

    Das ist wirklich schade, denn ich bin schon als kleines Kind mit einem Beutel, einem Zettel und passendem Geld dort einkaufen gegangen. Wir, mein Cousin und ich durften dann in die Backstube kommen, statt anzustehen und bekamen dann, vermutlich, weil wir noch klein und so niedlich waren, immer eine Zuckerschnecke oder irgendsoetwas vom Bäckermeister geschenkt. Schade, dass jetzt eine Ära zu Ende geht. Von wegen Pankower Kiez?! Pankow ist seit mindestens 20 Jahren schon nicht mehr das, was es mal war, leider…! Ich wünsche Herrn Gabriel einen erholsamen Ruhestand und nochmal ein herzliches Dankeschön für die leckeren Backwaren.

    Reply
  14. Uwe K.

    Richtig, Caroline, der 0815-Bäcker Johns ist wirklich kein Vergleich. Deshalb mein Tipp: Fahrt, wie ich seit vielen Jahren regelmäßig, mit Auto oder Rad die paar Kilometer zur Bäckerei Pawlik in der Wilhelmsruher Hauptstr., einer der besten Berlins. Von weitem schon sieht man die lange Warteschlange. Hier gibt’s Backwaren auf DDR-Niveau.

    Reply
    1. maciicx

      Als wir herzogen probierten wir etliche Bäcker im Kiez durch. Bevor wir Gabriel entdeckten war J. dran und hat nicht so ganz überzeugt. Ich bedanke mich für den Tip, mit Rad ist es ja durchaus nicht weit!

      Reply
  15. tjoa

    Der Ruhestand ist etwas schönes.
    Das sich kein Nachfolger gefunden hat, ist traurig, aber auch (mindestens in der Branche) selbst verursacht.

    Wer sich bei 80% Smartphoneausstattung im Netz vollständig vor jedem potentiellen Kunden versteckt, wesen Innung (als DIE Interessenvertretung der Mitglieder) eine „Suche“ nach Betrieben aus dem Jahr 2009 hat, die offenbar auch damals nicht ganz taufrisch war und die kaum zu gebrauchen ist, wer keine Werbung macht warum man gut ist (nicht warum andere vorgeblich schlecht sind!), der wird nicht auf viel Verständnis und neue Kundschaft stoßen. Mundpropganda der weniger werdenden Altkunden reicht nicht. Das regelmäßige Jammern „Komm zu uns, wir haben keine Kunden und keine Zukunft, andere sind billiger“ sorgt weder für neue gute Mitarbeiter, noch für Azubis, noch lockt es potentielle Nachfolger an. Nicht mal Kunden, aber denen liefert man das Gegenargument (andere sind billiger) gleich mit…

    Und auch wenn ich den Laden nicht persönlich kenne, aber die Bilder im Netz zeigen von außen ein Geschäft, das kaum vom Aufbäcker um die Ecke oder einer potentiellen Imbissbude für Frank Rosin zu unterscheiden ist, außer das es offenbar in einer Nebenstraße weit weg vom Kunden liegt. Eine Aufschrift mit Kaffee+belegte Brötchen, drei Plastik-Aufsteller, aber keine von weitem sichtbare Warenpräsentation, kein Bezug zum Backerhandwerk…Warum sollte jemand dorthin einen Umweg machen? Und das Marketing der Innung führt eine Adresse und eine Telefonnummer auf… Hallo 3. Jahrtausend! Hallo Kunden die mich nicht kennen!
    Vielleicht ist der Laden ja in der Realität und von Nahem moderner und einladender, aber wenn das so wäre, so darf das wohl niemand neues wissen.

    Reply
  16. Michael Waitz

    Ich bin kein Ur-Pankower und werde wohl nach dieser Kategorie nie einer werden. Weil ich aber seit 28 Jahren in Berlin lebe, davon 12 Jahre im Florakiez, maße ich mir jetzt mal die Festellung an, dass die Schließung der Bäckerei Gabriel schon sehr traurig ist.

    Ehrlich gesagt kann ich meine mitteldeutschen Wurzeln aus Franken immer noch nicht abschütteln, das heißt, die meisten Berliner Bäcker würden in dieser Gegend für ihr Brot und die Brötchen eher mit Verwunderung betrachtet werden, weil die rösche, knisternde Kruste fehlt. Aber es gibt eben Brötchen, Semmeln und in Berlin Schrippen und eine jeweils eigene Auffassung, wie das Backwerk denn sein soll. Es gibt sogar noch den Unterschied zwischen Westberliner und Ostberliner Schrippen. Aber lassen wir das und kommen zu dem Kuchen und den Plätzchen.

    Bei den Kuchen habe ich immer die handwerkliche Qualität der Bäckerei gespürt. Und dass die aus der Backstube kommen, saisonal. Den Rhabarber-Streuselkuchen mit Hefeteigboden gab es halt nur jetzt.
    Auf die Mürbeteigplätzchentüte waren alle meine Kinder heiß. Welcher anderer Bäcker tut sich damit ab, solche Plätzchen zu backen.

    Wenn die Bäckerei Gabriel nun schließt, ist das ein echter Verlust für die Florastraße. Das ist ein wenig wie die Schließung des Haushaltswarengeschäftes Brychy vor ein paar Jahren. Heute eine Bierbar, hatte man alles, wenn man in dem Laden war…

    Einzige Alternative ist jetzt die Bäckerei Siebert, in der Schönfließer Straße seit 1906 oder selber backen oder Brot aus dem Bioladen, das mich auch immer nervt, weil ich bei vielen Sorten nach einem Tag keine Scheibe mehr vom Laib schneiden kann, die nicht zerbröselt.

    Reply
  17. Arkonastraßenbewohner

    Was hat ein fehlender Nachfolger mit Gentrifizierung zu tun?
    Hauptsache das Feindbild wird bedient ja?
    Bäcker John hat seine Bäckerei noch in der Wollankstraße und nicht in China oder die Fabrik auf der Wiese. Die wirklichen Handwerksbäckereien muß man mittlerweile mit der Lupe suchen. Siebert gibt’s noch, Hacker, den an der Kuglerstraße, Wilhelm und Pawlick. Sehr Schade das wieder eine lange Tradition zu Ende geht. Aus dem Kissingeneck würde das Haus für Sicherheit. Wir haben jetzt einen „Panko Treff“
    Und an allem ist natürlich die Gentrifizierung schuld und ihr ALLE;¬
    Aber der Teig von Gabriel war wirklich einzigartig.

    Reply
  18. André

    Auch schade, dass bei Blog-Beiträgen über Veränderungen im Kiez immer wieder als erstes Moralisten und Nostalgiker mit erhobenem Zeigefinger a) die wahren Ursachen zu kennen meinen und b) die Kommentare hier mit Schuldzuweisungen gegen tatsächliche oder vermeintliche Personengruppen überschwemmen. Schließt ein Laden, sind die Billigkäufer schuld. Öffnet ein neuer Laden oder gibt es ein Bauprojekt, sind die Bio-Gentrifizierer schuld. Solche oft spekulativen Anwürfe gegen die Mitmenschen befördern m.E. das, was hier immer wieder kritisiert wird: schwindenden Zusammenhalt und nachlassenden Kiezcharakter. Vorschlag: Miteinander redet statt übereinander.
    Schön, dass sich die Kommentare in diesem Fall nach hinten hinaus noch versachlicht haben.

    Reply
  19. Uwe K.

    @tjoa
    „Und auch wenn ich den Laden nicht persönlich kenne, aber die Bilder im Netz zeigen von außen ein Geschäft, das … offenbar in einer Nebenstraße weit weg vom Kunden liegt.“
    Tja, was soll man dazu sagen, die Florastraße eine Nebenstraße der und nicht die zentrale Pankower Meile. Der Mann/die Frau war ganz offenbar noch nie hier vor Ort gewesen, maßt sich aber dennoch eine Meinung an.

    Reply
  20. J. Mateffy

    Auch wenn es sehr schade ist, wenn es ein Geschäft mit langer Tradition nicht schafft….aber leider muss ich sagen, Bäckerei Gabriel war zwar Handwerk, aber nicht außergewöhnlich gut. Ich wünsche mir seit Jahren einen guten Bäcker in der Nähe und lande immer wieder bei Bäckerei Siebert. Dort stehen die Leute Schlange und das aus gutem Grund. Es ist genau das Handwerk, das man sich wünscht und schmeckt und jederzeit bereit ist, zu bezahlen. Gentrifizierung hin oder her…..das ist keine Frage des Preises…

    Reply
    1. Bernd das Brot

      Geht mir genauso. Kleingebäck und Hörnchen waren gut. Schrippen und Brot eher nicht so dolle. Scheint vielen so gegangen zu sein. Handwerk hin oder her. Ich lande auch immer bei Siebert oder Hacker oder Krautzig in der Schönhauser.

      Reply
  21. Pankower Kind

    Ich frage mich, was Gentrifizierung oder die Bewirtschaftung des Geschäftes mit der erfolgten Schließung zu tun haben sollen.

    @tjoa

    Heutzutage für diesen harten Job einen Bäcker mit benötigem! Meistertitel zu finden, der eine kleine Privatbäckerei mit hohen Kosten übernimmt, ist fast aussichtslos. Es gibt in allen handwerklichen Berufen kaum Nachwuchs. Egal ob für die Backstube oder den Verkauf. Da können Sie nicht einfach Personal, dass nur Aufbäckereien kennt, hinter den Tresen stellen. Auch hieran mangelt es an allen Ecken und Enden.

    Daran ist aber auch nicht die Bäckerinnung Schuld, sondern der Wandel der Zeiten. Heute träumen Kinder davon, YouTube-Star oder Blogger zu werden und nicht des nachts um zwei in der Backstube oder am Morgen um fünf im Verkaufsraum zu stehen.

    Auch frage ich mich, wozu ein Kiezbäcker mit einem Interieur aus den 1890ern eine stylischen Touch oder einen Internetauftritt bzw. teure Werbung benötigen soll. Wie bei der Bäckerei Siebert kamen auch hier Kunden weite Wege gefahren, um sich am Wochenende mit Backwaren einzudecken.

    Zudem waren Sie augenscheinlich nie vor Ort, also stellt sich mir die Frage, zu welchem Zweck Sie hier überhaupt kommentieren?

    Wieder geht ein altes Stück Pankow verloren; mach’s gut liebes Team der Bäckerei Gabriel!

    Reply
  22. Matthias Dahme

    Die Kaufkraft im Kiez ist in den letzten Jahren gestiegen , da viele Alteingesessene durch Zugezogene (vor allem aus der Alt-BRD) verdrängt wurden . Die Qualität der Backwaren der Feinbäckerei Gabriel war top, die Preise jedoch vergleichsweise gering, was für die biogründenkenden Kiezbewohner natürlich nicht zusammen gehen kann, da Qaulität ja ihren Preis haben musss. Das Problem der ausbleibenden Kundschaft lag daher wohl eher darin, dass den neu zugezogenen Kiezbwohnern der Laden nicht „schick“ genug war. Und da man als moderner Mittdreißiger natürlich nur gentechnik- und laktosefreie Bioprodukte verzehren kann, deckt sich die zahlungskräftigte Kiezkundschaft nun halt beim beim Bio-de-luxe-Bäcker im Rathaus-Center ein — natürlich zum dreifachen Preis.
    Mit der Feinbäckerei Gabriel ist ein Stück Kiezgeschichte zuende gegangen. Die Übernahme des Kiezes und dessen Umformung durch Zugezogene, die sich einen feuchten Kehricht um Traditionen und somit auch um die alteingesessenen Kiezbewohner scheren, schreiten weiter voran. Ein Trauerspiel.

    Reply
    1. André

      Im Ernst? Übernahme durch Zugezogene? Als wäre der Wandel der Stadt etwas neues und die Alteingesessenen arme Opfer.
      Ja, es ist schade um die alte Bäckerei und den offenbar nicht mehr ganz so goldenen Boden des Handwerks. Trotzdem kein Grund für die Pflege stereotyper Feindbilder.

      Reply
      1. Flora85

        Hat nichts mit Feindbildern zu tun, nur mit Realitäten. Veränderungen sind ja gut, aber wohin führen die? Es geht wie immer nicht um das Was sonder um das Wie. Und da sieht es doch eher bescheiden aus. Oder wurde durch die Zugezogenen Bauleute der Kiez sicherer, sauberer und sozialer? Folge: Identitätsverlust. Diese Fragen sollte sich jede mal stellen.

        Reply
        1. zugezogen

          Ich persönlich möchte Herrn Gabriel und seinen Mitarbeitern danken und alles Gute für die Zukunft wünschen.

          Mir persönlich ist der Anlass zu traurig um hier zu polemisieren.

          Reply
    2. Baumensch

      In den letzten 120 Jahren gab es deutlich größere Veränderung als das bisschen Wandel jetzt. Die Gründe liegen mit Sicherheit nicht in der Gentrifizierung.

      Reply
      1. Flora85

        Das macht die Sache nicht besser. Und überhaupt, gab es noch nie so einen großen Wandel von innen heraus, was man kontrollieren könnte. Von außen allerdings schon, s. Krieg.

        Reply
  23. Michael Waitz

    Gerade las ich auf FB einen Post über die Bäckerei Gabriel mit dem Aufruf, das deutsche Bäckerhandwerk zu unterstützen…tsss, jetzt sollen Bäcker schon wieder deutsch sein, ja, ja, solche Auffassungen gibt es in Pankow auch.
    Seufzt die Bäckerschrippe zur Aufbackschrippe: „Früher oder später werde ich geteilt sein!“. Sagt die Aufbackschrippe: „Wie Du dich dabei fühlst, kommt auf den Belag an.“

    Reply
    1. Flora85

      Lieber Herr Waitz,
      natürlich gibt es deutsches Bäckerhandwerk. Genauso wie französisches oder polnisches oder türkisches oder tschechisches oder arabisches …. Die Welt ist nicht schwarz/weiß (gut/böse), vielmehr graustufig. Bitte einsehen.

      Reply
  24. Antony

    Liebe alle,
    ich bin selbst französischer Bäcker und würde gern eine Bäckerei günden oder übernehmen. Trotz der EU Regeln darf ich nicht mein Projekt schaffen. Der Grund: der Meisterbrief, den ich nicht habe. Und man kann nicht sagen, dass ich Hilfe der Handwerkskammer bekomme. Ich darf weder deutsches Brot noch französisches Brot backen! Die Mieten, die brutal steigen, sind auch ein großes Problem, aber mir ist nicht gegeben, mich mit dem zu beschäftigen 🙂

    Reply
    1. Lagom

      In Deutschland geht es ja nicht ums Können, also um das sichere Beherrschen eines Handwerks, sondern ums Kennen, also wessen Regeln man zur Sicherheit befolgen muß.

      Schade für viele Gewerke, die Nachfolger suchen.

      Reply
  25. Antony

    Warum darf man eine Industrie Bäckerei ohne Meistertitel gründen ? Gleiche Frage für ein Restaurant ? Man muß keinen Regeln zur Sicherheit befolgen ?

    Reply
    1. NennenwirIhnTom

      @Antony. Klar gibt es Wege. Wenn du ernsthaftes Interesse hättest, könntest du den Herrn Gabriel kontaktieren, der hat einen „Meisterbrief“und die Eintragung der zuständigen Innung. Du bist Inhaber, er der Meister und fertig.

      Du darfst auch keine „Industriebäckerei“ ohne Eintragung gründen, du darfst lediglich „Rohlinge“ aufbacken, egal welcher Couleur. Dann ist dies aber keine „Bäckerei“ im klassischen Sinne, sondern „nur“ ein Bäcker. In der br(D) ist das ein wenig kompliziert mit den Innungen und was wie wo ohne Eintragung in die Handwerkskammer. Aber das die dort nicht helfen wollen kann ich nicht nachvollziehen. Waren Sie schon vor Ort zum Gespräch?

      Ansonsten zum Landesverband in die Seydlitzstraße.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.