Der Wünsche-Schrank ist weg

Von | 26. Januar 2020
Schulzestraße ohne Schrank, aber mit Sachen

Der Give-and-Take-Schrank in der Schulzestraße erfüllt keine Wünsche mehr, denn er soll keinen Müll mehr produzieren. So einfach und so traurig ist es.

Immer wieder wurde der Schrank der Künstlerin Antoanetta Marinov  von Menschen aus der Umgebung missbraucht, die zu bequem waren, ihre alten Sachen ordentlich zu entsorgen. So landete in dem Schrank nicht nur Brauchbares, wie gut erhaltene Kleidung, Vasen und Bücher, es wurde auch allerlei nutzloser Krempel im und rund um den Schrank abgeladen. Auch ein olles Sofa stand schon neben dem selbstgebautem Regal. Das war seit Beginn so, immer wieder musste Antoanetta Marinov nachschauen, aufräumen und entsorgen. Bekannte und Unbekannte halfen dabei. Anfang Januar gingen jedoch mehrere Beschwerden und Sperrmüllanzeigen beim Ordnungsamt ein, wie uns der Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Umwelt und öffentliche Ordnung, Daniel Krüger (für AfD) auf Anfrage mitteilte. „So nachvollziehbar und interessant das Ansinnen der Künstlerin mit ihrer Schrank-Aktion ist, waren scheinbar nicht alle Nachbarn im Umfeld von diesem Engagement überzeugt.“ Der rumpelige Anblick störte. Die BSR rückte mehrmals an. Zudem verweist der Stadtrat darauf, dass auch keine Genehmigung eingeholt worden sei, öffentliches Straßenland zu nutzen.

Neun Jahre stand der Schrank in der Schulzestraße. Jetzt ist er weg und Antoanetta Marinov entäuscht. „Menschen, die mit dem ordentlichen Schenken nicht umgehen können; Menschen, die den Blick auf das Schöne nicht fokussieren können, haben dafür gesorgt, dass das Ordnungsamt aktiv werden musste“, schreibt sie auf einem Aushang am Zaun. Das Füreinander sei die Basis des zivilen Lebens. Das freie Schenken als parallele Ökonomie zur Konsumwelt mache enorm Spaß, sodass sie auf den Schrank nicht verzichten möchte. Er soll wiederkommen – sicherer und sauberer. Sie freut sich über Ideen von Unterstützern, wo und wie das möglich sein könnte.

Ob es jetzt sauberer und ordentlicher vor dem Haus in der Schulzestraße 1 wird, ist fraglich. Menschen, die den Schrank vermissen, legen dort weiterhin Sachen ab – auch ohne Schrank.

Ein Kommentar zu “Der Wünsche-Schrank ist weg

  1. AvatarJim

    Ein Wunder, dass das Ganze so lange funktionierte. Denn schon das Weihnachts-Wichteln lehrt, dass die Meinungen darüber, was alt aber zu gebrauchen oder nicht zu gebrauchen ist sehr unterschiedlich sind. Deshalb muss es immer jemanden geben, der den „Markt“ bereinigt und das Nutzbare vom Nicht-Nutzbaren trennt. Diesen Job übernehmen z.B. Gebrauchtwarenhändler, die sich dafür bezahlen lassen.

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