Veronika: Noch eine Baugemeinschaft

Von | 5. Januar 2017

Görschstraße 26B

Eine der letzten Lücken im Kiez und die letzte Lücke in der Görschstraße wird geschlossen. Die rund 700 Quadratmeter große Brache zwischen der Genossenschaft DPF und Himmel & Erde soll bebaut werden. Initiator der Baugemeinschaft Veronika ist die Agentur Area, die seinerzeit auch Himmel & Erde auf dem ehemaligen Kleingartengelände in der Brehmestraße realisiert hat.

Das neue Mehrfamilienhaus wird in sich abgestuft, um eine Verbindung zwischen der straßenuntypisch zurückgesetzten linken Nachbarbebauung und dem Neubau rechterhand herzustellen. Der Grundstückskauf ist erfolgt, der Baubeginn wird noch für dieses Jahr angepeilt.

Geplant sind 9 Wohnungen und Maisonetten zwischen 30 und 170 Quadratmetern Wohnfläche. Eine Tiefgarage ist zum Leidwesen der Nachbarschaft nicht vorgesehen. Die Kosten haben inzwischen auch in den eigentlich preiswerten Baugemeinschaften schwindelerregende Höhen erreicht. Vor wenigen Jahren konnte man im Kiez noch gemeinschaftlich für rund 2.000 Euro pro Quadratmeter bauen. Im Projekt Veronika werden zwischen 3.580 und 4.650 Euro kalkuliert. Ein paar Wohnungen sind noch nicht vergeben.

Mehr zum Thema:
Abschied von der weißen Villa
Die große Parkplatznot droht
Die Duseke-Gärten
Baustellen-Rundgang

16 Kommentare zu “Veronika: Noch eine Baugemeinschaft

  1. Systembolaget

    Ausgezeichnet. Dann wird die häßliche Lücke endlich geschlossen und mehr kaufkräftige Bürger ziehen nach Pankow. Gut für die Geschäfte in der Flora- und Wollankstraße und den Bezirk insgesamt.

  2. Michael Waitz

    Ausgezeichnet. 530.000 € für 130 qm im HH EG sind, natürlich im Zeichen des Hypes, allerdings trotzdem eine steile Vorlage. Da muss man wohl auch als Akademikerfamilie mit besten Jobs ziemlich bald anfangen, sich das nötige Eigenkapital zur Finanzierung zurückzulegen. Am besten bei der Geburt. Aber von irgendwo kommt das Geld hier schon her.

  3. vinmonopolet

    Wie können Lücken häßlich sein? Was häßlich ist, sind die ganzen Lückenbauten mit ihren einfallslosen Fassaden. Noch mehr kaufkräftige Bürger? Falls die Kohle nicht von Mama und Papa aus dem reichen Westen stammt, müssen die Akademiker bei m2 Preisen bis 5000€ jeden Cent beseite legen, damit nicht der Kuckuck nach paar Jahren an der Tür klebt oder Sie müssen nach Ihrer 40h Woche noch bei REWE die Regale auffüllen, weil das normale Akademikergehalt nämlich nicht mehr reicht für ein normales Leben in Pankow, wie auch immer…die einen sind zu müde und die anderen müssen sparen, wo da die Kaufkraft bleibt wäre zu beweisen. Ein Beweis für diese „Kaufkraft“ ist das Schließen vom Wichelhaus, Weinrebell, Tiriki, um nur einige zu nennen und welche Geschäfte in der Wollankstrasse (abgesehen von John und REWE, weil Fressen müssen wir alle) von diesem Lückenbau am Ender der Görschstr. profitieren, ist mir mehr als schleierhaft. Ich wäre ja für die Einführung von staatlichen Alkeholgeschäften und den Verbot von Alkehol an Tankstellen, dann für den Ausbau des Radnetztes auf das 10fache Volumen, Verbot von Dieselfahzeugen, kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, Erhöhung der MwSt. auf 25%, Abriß vom Flughafen Schönefeld, der sowieso nie eröffnet wird und Ausbau vom Drehkreuz Leipzig mit einer Magnetschwebebahnverbindung bis zum Alex im 10 min Takt…bin ich gerade vom Thema abgekommen, ach so es ging ja um den letzten Lückenbau im Kiez, welch ein historisches Ereignis!

    1. Systembolaget

      Erstaunlich, was Sie bereits wissen – Mama und Papa sind also nachwievor Kohlebezieher… vielleicht waren sie aber auch Werktätige beim VEB Kohlehandel? Fuhren die beiden einen IFA S 4000 oder vielleicht nur den Barkas B 1000? Wir können nur spekulieren wo die Kohle herkam…

      Könnte es aber vielleicht auch so sein, daß die neuen Nachbarsfamilien selbst für ihre Immobilie zahlen? Und könnte es darüberhinaus sogar sein, daß die neuen Mütter und Väter hart arbeiten und Steuern zahlen, von denen auch Sie profitieren?

      Fragen über Fragen!

      Aber es stimmt schon, früher gab es einfach mehr und bessere Verbote; und in der Brehmestraße oder im Städtchen war’s mit der Passierscheinregelung herrlich ruhig, wie überhaupt vor der Übernahme 1989 alles herrlich ruhig war!

      Soweit zu historischen Ereignissen.

  4. Mareike Müller 007

    Befinden sich am Giebel des Genossenschaftshauses nicht Fenster? Und die dürfen einfach zugebaut werden (zumindest sieht es auf dem Projektgrundriß so aus)? Wer plant solche Rücksichtslosigkeiten und wer genehmigt sowas?

    Das Baugruppenprojekt, welches den Abriß der weißen Villa zu verantworten hat, wird tatsächlich so albtraumhaft wie vorhergesagt, allein, was den Pocketpark betrifft.

    Dass die Kaufkraft im Kietz definitiv nicht steigt, bloß weil so ein paar arme Schlucker ihren letzten cent in einer häßlichen Baugruppe versenken beweisen die letzten Jahre. Zudem ist Pankow für finanziell starkes Klientel nicht mehr wirklich attraktiv, zu wenig grün, zu viele Menschen, fehlende Infrastruktur, zuviel Verkehr und die Aussicht auf die Kriegermassenbesiedlung und Möbelhausansammlung in der Nähe – das reißen Bürger- sowie Schlopark schon lange nicht mehr raus.

    Aber ich freue mich, dass die Zugezogenen auch endlich mal in den Genuß von Baulärm und Verschlechterung der Lebensqualität kommen. Interessant wird ja auch, was anstelle der Kleingärten in der Dolomitenstraße passieren soll. Gibt es dazu schon Informationen?

    1. André

      Interessante Feststellung mit den verbauten Fenstern im Genossenschaftshaus. Laut Grundrissen bleiben noch ein paar Zentimeter Abstand zwischen Neubau und Bestand. Das reicht schon mal zum Lüften. Was will man mehr?

      1. Caulerpa

        Baulast? Fenster verbauen? Immer doch, wenn der Eigentümer zustimmt. Da wird’s bestimmt einen finanziellen Ausgleich geben – von dem allerdings die betroffenen Mieter eher nicht profitieren dürften. Dürfte zu den üppigen Preise der Veronika beitragen, irgendwo müssen die 3.500 EUR/m² für EG -Lage mit Quetschgärtchen ja herkommen…

    2. Max Müller

      Den meisten scheint die Bedeutung einer Brandwand nicht klar zu sein: die hat per Definition keine Fenster.

      Eine Ausnahmegenehmigung, wie sie in Berlin nach dem Krieg wohl öfters erfolgte, wird eben rückgängig gemacht wen jemand die Lücke bebaut.

      1. Mareike Müller 007

        Dieser Block, von dem wir hier reden, gehört zum DDR – Blockbautyp IW57, diese wurden in den 1950/-60 er Jahren errichtet. Nebenan befand sich eine Kleingartenanlage (man erinnere sich, die wurde im Zuge der Himmel & Hölle Bebauung platt gemacht). Da dieses Gebäude als Wohnhaus genehmigt und nach wie vor genutzt wird, dürfte es Bestandsschutz haben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Fenster erst im nachhinein in die Giebelwand reingebastelt wurden, zumal wir es mit industriell gefertigten Blockelementen zu tun haben. Darüber hinaus war auch der bautechnische Brandschutz in der DDR ziemlich klar geregelt und kann gern in den Unterlagen der Bauakademie der DDR nachgelesen werden.

        Ihre nachkriegsausnahmegenehmigte Brandwand_mit_Fenstern – die_man_ruhig_wieder_zumauern_kann – Argumentation kommt zwar souverän daher, wird dadurch jedoch nicht schlüssiger.

        1. Systembolaget

          Die Lösung liegt auf der Hand: Anstelle der Fenster werden OLED-Flachbildschirme eingebaut. Problem solved.

          1. Murx

            Und dargestellt wird auf den Bildschirmen das Bild einer WebCam, die bei Himmel und Erde steht und in Richtung Fernsehturm schaut. Das ergibt einen wunderbaren Ausblick in die Ferne!

        2. Max Müller

          Auf Google maps sieht das nicht wie eine klassische Platte aus, aber da kenne ich mich nicht aus. Und es ist wohl immer nur ein Fenster pro Stock. Selbst wenn das nach dem Krieg gebaut wurde haben die Erbauer eine anschliessende Bebauung wohl nicht ausgeschlossen. Ich bleibe bei meiner These.

          Dann geht eben das schlüssige Bebauen nur mit Zustimmung des Nachbars (eventuell gegen Abfindung), sonst wäre eine Grenzabstand von jeweils 3 m normal.

          Grundsätzlich ist die geschlossene Bebauung besser finde ich, Lücken mit Brandwänden sind nicht sonderlich nett anzuschauen.

          1. Mareike Müller 007

            Wenn Sie mit „klassischer Platte“ die WBS 70 Bauweise meinen (Hellersdorf, Marzahn, Wartenberg usw.), dann haben wir es in dieser (IW 57 und weitere) mit den Vorläufern zu tun. Auf der Baugenossenschaftsseite wird übrigens der Bautyp genannt, man muss es halt einordnen können. Und ja, ich kann schon verstehen, dass man den Leuten in der DDR eine industrielle Bauweise bereits in den 50ern einfach nicht zutraut, es ist ja nicht mal sicher, dass die da schon von den Bäumen runter waren. Und nochmal: Daneben befanden sich Kleingärten. Da wäre vor 89 keiner auf die Idee gekommen, die platt zu machen, um Wohnhäuser hinzustellen. Diese Kleingartenanlagen hatten eine wichtige ökologische Funktion – gerade neben Bahngleisen und dazugehörigem Verkehr, gerade in einer Großstadt. Hätten sie heute immer noch, interessiert nur keine Sau mehr. Eine Brandwand war schlicht nicht notwendig in Anbetracht der Lage des Wohnhauses, deshalb wurden Bauteile mit Fenstern eingesetzt.

            Was die Ästhetik der geschlossenen Baulücken betrifft finde ich Brachen wesentlich ansehnlicher, egal ob mit Brandwand an der Seite oder ohne. Ich bin ein Fan vom Mut zur Lücke.

  5. Baumensch

    Das Grundstück stand zum Verkauf. Brachenliebhaber oder die benachbarte Genossenschaft hätten zugreifen können.

    1. Mareike Müller 007

      Danke für den Tipp. Eine Beteiligung am Rattenrennen um immer mehr Besitz, Besitz, Besitz macht weder Welt noch Leben auch nur einen Deut schöner, friedlicher und lebenswerter. Ganz im Gegenteil. Beispiele stehen in diesem Blog zuhauf.

  6. Starkstrom

    Zugegriffen hat dafür der Investor, der auch schon Himmel und Hölle auf die Beine gestellt hat. Mit dem klassischen Baugruppenverständnis hat das wenig zu tun.

Keine Kommentierung mehr möglich.